In Gebrauch

Niftys Artikelreihe „Notebook Addict of the Week“ brachte mich vor kurzem dazu, mein eigenes Verhalten in der Nutzung von Notizbüchern zu hinterfragen. In der Tat war mir nicht bewusst, wie viele ich überhaupt in Gebrauch habe und wie oft ich jedes einzelne verwende. Nach einer Art „Inventur“ entdeckte ich Erstaunliches: Ich benutze täglich wesentlich mehr Notizbücher, als ich es vermutet hätte.

Wirklich täglich – genauer gesagt mehrmals täglich – gebrauche ich das, was ich als „Ideenhefte“ bezeichne. Ein besonders kleines im A6-Format wurde von einer Freundin für mich liebevoll gestaltet, und seit sie es mir geschenkt hat, begleitet es mich überallhin und folgt mir auch innerhalb der Wohnung von Raum zu Raum. Es fängt alle Text-, Blog- und Projektideen unsortiert und unformatiert auf. Leider wird es bald ausgeschöpft sein, und es wird eine sehr harte Trennung werden. Papier und Lineatur sind für seinen Zweck ideal, und es ist so gut wie unersetzlich.
Als weitere Ideenhefte fungieren ein Moleskine-Reporterblock mit Softcover in A5, in dem Exposés für künftige Thriller gesammelt werden, und ein Hardcover-Exemplar in der gleichen Größe, das Ideen und grobe Gliederungen für künftige Blogartikel aufnimmt.

Ebenfalls täglich im Einsatz sind verschiedene Moleskine-Cahiers in den Größen Large und Extralarge. Eines dient dazu, telefonische Besprechungen mit Auftraggebern und Kunden festzuhalten, und ist also eine Art „Aktennotizen“-Sammelheft, ein zweites hilft, Anfragen und Vertragsverhandlungen zu notieren.

Für Buchhaltung und Auftragsverwaltung sind zwei Kladden mit französischer Lineatur reserviert. Hinzu kommen natürlich Adressbücher mit unterschiedlichen Verwendungen und ein Terminkalender, sowie ein Moleskine-Cahier, in dem Werbemaßnahmen, ihre Belege und Ergebnisse peinlich genau für das Finanzamt aufgeführt werden.

Technische Informationen zu WordPress- und HTML-Themen werden in ein kleines Moleskine-Cahier zusammengetragen und stehen als Pannenhilfe immer in der Nähe des Schreibtischs bereit.

Die tägliche Arbeit findet auf Legal Pads statt.

Auch privat dreht sich das Leben um Notizbücher – mit Moleskine-Cahiers in der Hauptrolle: zwei Garten-Logbücher,

gesammelte Mal- und Zeichenvorlagen,

eine Wunschliste mit allen Büchern, die ich mir eines Tages kaufen möchte, falls ein unerwarteter Geldsegen auf mich herunter prasseln sollte, gehören dazu.


Meine wichtigsten Skizzen und Zeichnungen wiederum befinden sich in zwei Büchern der Marke Rossi – die sich heute allerdings ganz anderen Aufgaben widmet.

Insgesamt sind es also 19 Notizbücher, die ich täglich oder beinahe täglich verwende. Ich gebe zu, dass mich diese Zahl sogar ein wenig erstaunt hat. Schreibe ich etwa zu viel?

Eine angenehme Überraschung

Feiertage sind für mich immer ein willkommener Vorwand, „echte Post“, also „Schneckenpost“, zu verschicken. Dabei lege ich auch Wert darauf, besondere Grußkarten auszusuchen, die sich durch die Qualität der Materialien, der Gestaltung und des Drucks auszeichnen. Nachdem Ostern in diesem Jahr aber mit einer sehr arbeitsintensiven Phase kollidierte und mein sonst reich bestückter und normalerweise sorgsam gepflegter Vorrat bereits Wochen zuvor zur Neige gegangen war, musste ich umdenken und ausnahmsweise Kompromisse eingehen. Aus lauter Verzweiflung bestellte ich in fast letzter Minute einen Satz Grußkarten im Shop der Deutschen Post: 10 Doppelkarten inklusive der entsprechenden Umschläge und der passenden Briefmarken für einen Gesamtpreis von 12,95 € – nach Abzug des Portos also 0,695 €/Karte + Umschlag.
Ich versprach mir davon nicht allzu viel, aber was ich als peinliche Lösung empfunden hatte, erwies sich als Glücksfall.
Die Karten wurden nicht nur in ansprechender und praktischer Verpackung mit einer wunderschönen Banderole geliefert, die sich durchaus zur Weiterverwendung eignet, sie sind auch von beeindruckender Qualität. Das Papier ist in Farbe und Oberfläche sehr hochwertig und – was bei Grußkarten alles andere als selbstverständlich ist – absolut füllertauglich. Die Feder gleitet mühelos, aber nicht zu schnell, die Tinte zerläuft nicht und die Tintenfarbe bleibt perfekt erhalten. Das Druckbild der Kartenmotive ist scharf und glänzend, was man von den Produkten anderer Vertreiber ähnlicher Sets bei weitem nicht immer behaupten kann. Die mitgelieferten Briefumschläge sind zudem gefüttert, die Verklebung ist einwandfrei und die Gummierung professionell und frisch.
Einzig bedauerlich ist das sehr aufdringliche Logo auf der Rückseite der Doppelkarte, das den Eindruck vermitteln könnte, es handele sich um ein weiterverschicktes Werbegeschenk. Eine weniger plakative Anbringung wäre eindeutig von Vorteil und sicherlich auch verkaufsfördernd.
Besonders sinnvoll ist neben der Zusammenstellung als Komplettset die Tatsache, dass jeder Satz fünf verschiedene Motive beinhaltet, so dass selbst bei kleinem Bedarf und zeitlich ausgedehntem Verbrauch eines Päckchens die Wahrscheinlichkeit, demselben Empfänger versehentlich oder aus Not zweimal das gleiche Motiv zukommen zu lassen, sehr gering ist.
Insgesamt also ein überraschend gelungenes Angebot, das auch diejenigen überzeugen dürfte, die aus Kostengründen den Kauf von Grußkarten scheuen.

Ein violettes Madeleine

Es ist schon seltsam: Wenn ich an meine Kindheit zurückdenke, verbinden sich meine Erinnerungen unweigerlich mit Papier, Tinte und Schrift. Ich sehe noch vor mir, wie sich die Seitenecken der Schulhefte unter dem zu starken Druck des Kugelschreibers widerspenstig zusammenrollen. Ich rieche noch den Duft frisch angespitzter Buntstifte. Ich höre noch das leicht entnervte Kichern einer ganzen Klasse, wenn das hektische Scharren meines Füllers wieder einmal bis in die hintersten Reihen zu hören war.
Unvergleichlich aber bleibt ein Geruch, dem ich lange nachgetrauert habe.

In der Ersten Klasse war zu meiner Zeit der Gebrauch von Stahlfedern Pflicht. Erst ein Jahr später wurde diese vermeintlich unzumutbare Art des Schreibenlernens als nicht mehr zeitgemäß verbannt, und eine von vielen Schülern begrüßte Reform schrieb vor, dass in Grundschulen künftig der Kugelschreiber zu herrschen hatte, bis sie von der nächsten abgelöst wurde und ab der 5. Klasse alle einen Füllfederhalter zu besitzen hatten. Diese kratzenden, etwas rostigen Dinger und die fleckigen Tücher, mit denen sie abgewischt wurden, habe ich nicht vermisst. Ein wenig Wehmut aber spürte ich beim Anblick der in den kleinen Tischen eingelassenen Porzellannäpfchen, die nunmehr auf ewig leer, verlassen und nutzlos bleiben sollten. Hatte ich die ständig verschmutzten Finger und den ungleichmäßigen Tintenfluss der alten Federn gehasst, den ich zu beherrschen nie in der Lage war und der mir ein tägliches Ärgernis war, so hatte ich umso mehr den Duft der Tinte geliebt, die jeden Morgen, nur wenige Minuten, bevor wir den Klassenraum betraten, mit einer uralten Messingkanne, die den Rest des Tages ihr Dasein auf der Fensterbank neben einem halb vertrockneten Weihnachtskaktus fristete, in die kalten weißen Töpfchen eingegossen wurde. Er füllte die ganze Schule – frisch, eisig, beißend und vertraut. Jahre später hing er noch in der Luft, als würde das alte Holz der Tische ihn noch ausströmen.

Die Zeit verging, und ich hatte nicht erwartet, ihn jemals wieder zu erleben – schließlich haben heutige Tinten andere Zusammensetzungen -, bis ich zufällig Noodler’s North African Violet entdeckte.
Als ich das Gläschen öffnete, entfloh eine ganze Bäckerei voller Proust’scher Madeleines, die mich zurück zu den knisternden Kladden brachte, zurück zu dem ungeduldigen Ticken der Kreide auf der damals wirklich schwarzen Tafel, zurück zu dem kreischenden Tumult des Pausenhofs und seinen schützenden Platanen, zurück zu der knarrenden Tür des Materialschranks, zurück zu den weichen rosafarbenen Löschblättern …
Die Farbe der Tinte stimmt übrigens nicht mit der von damals überein – hier kommt Herbins Stiefmütterchenviolett der Sache bedeutend näher. Aber ihr Duft schenkte mir eine magische Zeitreise.

Die Briefe der Annie Vought

Oberflächlich betrachtet könnten ihre Papierschnitte rein dekorative Funktion haben. Zu leicht könnte ihr Werk als der bloße Versuch missverstanden werden, die Schönheit der Schrift als grafisches Element zu demaskieren. Doch Annie Vought geht es um mehr: Die Texte, derer sie sich bedient, sind nicht ihre eigenen, die Handschriften zeugen von anderen Leben, Die filigrane Schnittarbeit ist eine respektvolle, demütige Annäherung an das Medium, eine ganz persönliche, sensible, bewundernd-konservatorische Geste der zwischenmenschlichen Verbindung, die sich in ihrem Material, dem Brief, unvergleichlich unverfälscht zu enthüllen vermag. Botschaft und Handschrift werden als die entblößendste Ausdrucksform zugleich seziert, erhöht und bewahrt. Die Linie der Buchstaben, die durch den Schnitt zu dem eigentlichen Band zwischen dem Schreiber und dem Betrachter wird, schwebt gelöst von Raum und Zeit in ihrer reinsten Form.

Ich möchte Annie Vought ausdrücklich und ganz herzlich für den ausgesprochen netten und unkomplizierten Austausch in der Vorbereitungsphase dieses Artikels sowie auch für die Erlaubnis danken, die hier gezeigten Bilder zu veröffentlichen.

Sehr zu empfehlen sind die Homepage und das Blog der Künstlerin.

In other Words

I took the girl to walk in circles

I cared that things were weird between us

Out ist das neue Cool

Spätestens seit dem Erfolg der US-amerikanischen Fernsehserie “The Big Bang Theory” haben wir gelernt, dass Sonderlichkeiten durchaus als Publikumsmagnet fungieren können – wenn auch in diesem konkreten Fall zugegebenermaßen mit tatkräftiger Hilfe einfallsreicher Autoren.

Aber auch im echten Leben halten Eigenarten allenthalben Einzug und sind mitunter sogar ausdrücklich erwünscht: In Bewerbungen und Online-Profilen etwa geben sich die skurrilsten Hobbys unterscheidend und persönlichkeitsstiftend. Es heißt, Personalchefs würden sie wohlwollend registrieren.

Papier kommt dieser Trend zugute.

Während Vintage und Retro eher der fad-spießige Beigeschmack gefühlsübersteigerter Nostalgie anhaftet, entdecken Blogs und Social Medias Papier als spleenige Coolness neu und integrieren es in das eigene Erscheinungsbild. Immer mehr Blogger wünschen sich Themes, die Papier, Bücher, Hefte oder Schreibblöcke als Hintergrund nachbilden, und verzichten dabei offenbar leichten Herzens auf viele üblich gewordene Funktionen, um die Illusion zu verstärken.
Die relativ neue Plattform lettrs propagiert ganz zwanglos und sehr zeitgemäß die aufregende Verbindung von eMail und Schneckenpost.

Waren Blogs über Notizbücher und Handschrift vor kurzem noch in erster Linie Nischenseiten von Sammlern für Sammler oder vermeintlich ewig gestrige Technikverweigerer, so steigen sie heute oftmals zur identitätsrelevanten Selbstverständlichkeit auf. Das alte Medium ist nicht mehr peinlich, vielmehr wird mit ihm selbstbewusst kritisches und vorausschauendes Denken, Individualität und Abgeklärtheit demonstriert. Die Schrulle wird nicht nur salonfähig, sie wird dezidiert gepflegt und eingesetzt. Unkompliziert wird unterstrichen, dass analoge und digitale Welt keine notwendigerweise antinomische Beziehung führen müssen, und der regelrecht konfessionelle Entscheidungszwang, der noch vor wenigen Jahren besiegelt schien, ist überholt.

Out ist also das neue Cool und darf somit in vollen Zügen ausgelebt werden.

Meg Hitchcock – am Anfang war das Wort

Den Ansatz eines Künstlers als einzigartig zu bezeichnen, ist ein Gemeinplatz. Bei Meg Hitchcock aber verbirgt sich hinter der Binsenweisheit mehr, als auf den ersten Blick scheinen mag.

Die Vielschichtigkeit ihres Werkes ergibt sich sowohl aus ihrer Collage-Technik und der filigranen und geduldigen Präzision ihrer Ausführung als auch aus der obsessiven Botschaft der fertigen Bilder.

In ihrem Werk verschmelzen Material und Ziel auf allen Ebenen. Im Mittelpunkt steht der Text in seiner menschheitsübergreifenden Bedeutung und Wirkung. Mit medizinischer Akribie wird er zerlegt, seziert, auf die Summe seiner grafischen Elemente reduziert, die nun als Potential, und doch bar ihrer Jungfräulichkeit, zurückbleiben. Ausgangs- und Ankunftspunkt sind heilige Schriften: Bibelstellen werden zu Koranversen, Zeilen der Thora zu Mantras … Immer wieder neue, unzählige Kombinationen entstehen. Aus den Buchstaben erwächst wieder die Linie aus Text, die zum verwobenen Faden, zum Strich, zur verdichteten und mehrdimensionalen Struktur werden kann. Die im doppelten Sinne meditative Arbeit lässt die Grenzen der Spiritualitäten verschwimmen, der Textfluss wird reißend, verschlingt sich zu festen, steinern-geschmeidigen Figuren. Jenseits des intellektuell-religiösen Weges wird die sakrale Absicht optisch transzendiert.
Die Tiefe und Komplexität des künstlerischen Ansatzes, der auf unvergleichliche Weise die gebieterische Dringlichkeit des inneren Bedürfnisses mit der erfüllenden und stets neu gesuchten Ruhe der Meditation vereint, sollte jedoch nicht die rein ästhetische, immanente Schönheit dieser Werke vergessen lassen.

Meg Hitchcocks Kunst-Credo und viele ihrer Werke sind auf ihrer Homepage zu sehen. Ebenfalls sehr empfehlenswert sind ihr Blog und ein wunderbares Interview mit der Künstlerin anlässlich ihrer ersten Installation im Februar 2011.

Meg Hitchcock hat freundlicherweise die Veröffentlichung von Bildern ihrer Werke auf Papier-Tinte-Schrift genehmigt. Hierfür danke ich sehr herzlich. Die Urheberrechte für alle hier gezeigten Bilder verbleiben bei der Künstlerin.

Wer Meg Hitchcocks Werke erleben möchte, kann dies im Februar in der Rosalux-Galerie in Berlin tun.

Gloria Patri, 2011. Die Buchstaben wurden aus dem Koran ausgeschnitten.

Gloria Patri, Detailbild

Exordium, 2010. Das Exordium ist das erste Kapitel des Korans. Die Buchstaben wurden aus der Bibel ausgeschnitten.

Haftnotizen von Moleskine – eine Enttäuschung

Die Marke Moleskine ist mittlerweile zu einem Statussymbol geworden. Manche kaufen Moleskine, um einen Moleskine zu besitzen. Es gibt eine eingefleischte Moleskine-Fangemeinde, Moleskine-Foren, Moleskine-Blogs … Moleskine ist Kult.
Ich kaufe auch Moleskine – allerdings aus einem anderen Grund: das Papier. Der cremefarbene Ton ist für die Augen äußerst erholsam, die Grammatur unkompliziert, inspirierend und alltagstauglich, die Lineatur ausgewogen, und jeder Füller schreibt auf Moleskine einwandfrei. Ich benutze nicht ausschließlich Moleskine-Produkte, aber für einige Zwecke sind sie aus meiner Sicht unübertroffen. Mein Terminkalender insbesondere ist seit über einem Jahrzehnt ein Moleskine.
Als die Produktpalette um Haftnotizen ergänzt wurde, empfand ich es als willkommene und praktische Bereicherung – vor allem in Verbindung mit den Kalendern. Aufgaben, die nicht einem bestimmten Tag oder einer bestimmten Woche zugeordnet werden müssen (zum Beispiel mein Blogartikelveröffentlichungsplan), könnten so verschiebbar in den Kalender integriert werden, ohne herauszufallen und ohne dass ich optisch auf das typische Moleskine-Erscheinungsbild und vor allem auf die geliebte Papierqualität verzichten müsste -so dachte ich jedenfalls.
Die Begeisterung währte nicht lange. Gerade die typischen Moleskine-Merkmale wie Grammatur und Papierfarbe sucht man hier vergebens. Das zu schwere und zu steife Papier rollt sich beim Entnehmen der Zettel, die dadurch nur schlecht und sehr kurzfristig haften. Eine insgesamt enttäuschende Leistung, die nicht zum Image von Moleskine passt.

Füllfederhalter: Kleine Hilfe bei der Partnersuche

Es gibt kein Patentrezept, um den passenden Partner zu finden. Das gilt beim Dating und beim Füllerkauf. Dennoch – und unter Berücksichtigung vieler Ausnahmen – lassen sich einige Faustregeln aufstellen. Für gewöhnlich kann man von diesen Prämissen ausgehen, auch wenn individuelle Abweichungen immer möglich sind und diese Maximen einander ergänzen und abmildern können.

  1. Je kleiner die Handschrift, desto schmaler die Feder
    Man kann schließlich nicht mit Baumstämmen Spitze häkeln. Händler empfehlen allen und jedem die Breite M, die sie gern als Standardbreite anpreisen. „Standard“ ist sie dahingehend, dass sie sie am häufigsten aufdrängen und verkaufen. Sie entspricht zwar den Erfordernissen der deutschen Schulschrift, aber bei weitem nicht jeder Handschrift.
  2. Je schneller die Hand, um so leistungsfähiger muss der Tintenleiter sein
    Schnellschreiber stellen Tintenleiter auf eine harte Probe: Sie müssen immer die passende Menge Tinte bereitstellen, bekommen aber kaum Zeit dafür. Dies kann dazu führen, dass die Schrift nach einiger Zeit verblasst, obwohl Tank, Konverter oder Patrone noch voll sind.
  3. Je pigmentreicher die Tinte, die im Füller verwendet werden soll, um so harmonischer müssen Feder und Tintenleiter zusammenarbeiten
  4. Druck und Federhärte müssen zueinander proportional bleiben
  5. Papier und Federbreite müssen harmonieren
    Ist die Feder sehr elastisch oder weich, kommt sie mit glatten Oberflächen besser zurecht als harte Federn.
  6. Nur wer eine perfekte Schreibhaltung vorweisen kann, kommt mit abgeschrägten Federn auf Anhieb zurecht.

Diese groben Regeln könne eine individuelle Beratung und den ausführlichen Test des Schreibgeräts zwar nicht ersetzen, aber vielleicht können sie zumindest Füllerneulingen eine erste Orientierung ermöglichen.

Der Füllerkauf – eine Datinghölle

Erst kommt das Speeddating im Schreibwarengeschäft, das erste Händchenhalten und dann der Versuch, zu ermitteln, ob man mit einander auskommt. So betrachtet ist ein Füllerkauf nicht anders als ein Spießrutenlauf in der Datinghölle. Schließlich soll in beiden Fällen idealerweise eine Verbindung fürs Leben geknüpft werden – und so fragt sich mancher, ob es wirklich für jedes Töpfchen das passende Deckelchen gibt, sprich: ob jeder überhaupt den für ihn geeigneten Füller finden kann.
Viele Menschen denken in der Tat, dass sie niemals mit einem Füller schreiben können werden. Sie haben es ein paar Male ausprobiert und kamen nicht zurecht. Dies trifft insbesondere auf Frauen zu, die behaupten, Füller seien immer zu dick und zu schwer oder würden zu breit schreiben.
Auch wenn es stimmt, dass einige Hersteller – vergleicht man das Sortiment mit dem Angebot der 70-er und 80-er Jahre – schmale und leichte Produkte nur noch selten im Programm haben, ist dies aber ein typisch deutsches Problem, genauer gesagt: ein vom deutschen Handel geschaffenes Problem. Tatsächlich gibt es immer wieder – auch unabhängig von Moden, denen Füller auch durchaus unterliegen – für die kleine Hand geeignete Schreibgeräte, aber sie werden von den Händlern kaum berücksichtigt und bei Vertreterbesuchen links liegengelassen. Dies hat zwei Ursachen: Zunächst wird davon ausgegangen, dass Kinder durch den Standard-Schulfüller ein für allemal daran gewöhnt werden, mit großen Durchmessern umzugehen und diese zwangsläufig auch später bevorzugen müssen. Desweiteren herrscht der Glaube, dass der übliche Füllerkäufer männlich sei. Schließlich wird vorausgesetzt, insbesondere teure Schreibgeräte würden nicht zum täglichen Gebrauch gekauft, sondern entweder als Sammel- und Repräsentationsobjekt, oder würden nur gelegentlich für kurze Texte benutzt.
Wie dumm die erste Annahme ist, muss kaum erläutert werden. Was für die kindliche Motorik und die ersten Schritte im Üben der Schulschrift geeignet ist, ist für einen Erwachsenen genau so angemessen wie Babyschühchen. Sind eine individuelle Handschrift und Schreibgeschwindigkeit entwickelt, bedingen sie andere Erfordernisse, denen die Form und Größe eines Schulfüllers nicht mehr gerecht werden können.
Die zweite Annahme wiederum hat einen etwas komplexeren Hintergrund. Ein Blick in einschlägige Internetforen könnte in der Tat zu der Vermutung verleiten, nur Männer würden mit Füllfederhaltern schreiben. Frauen sind dort sehr wenig bis gar nicht vertreten bzw. nur sporadisch aktiv und auch deutschsprachige Blogs zu diesem Thema werden mehrheitlich von Männern geführt. Hier werden Ursache und Wirkung verwechselt: Während in England, Frankreich, Italien und den USA mehr Frauen täglich mit Füllern schreiben als Männer, ist das Verhältnis in Deutschland umgekehrt – gerade weil passende Schreibgeräte seltener angeboten werden und Frauen also oft einige Schwierigkeiten haben, den richtigen Partner fürs Leben zu finden.
Diese Diskrepanz zwischen den Geschlechtern in Deutschland erklärt auch, warum teure Schreibgeräte nicht als Alltagsinstrument aufgefasst werden. Männer und Frauen verhalten sich hier erheblich anders: Während Frauen Luxus als Teil ihres Alltags betrachten und sich nicht scheuen, einen besonderen Füller für alle Aufgaben zu nutzen, verwenden Männer eher unterschiedliche Schreibgeräte und sehen Füller eher als Vorzeigeobjekt.
Wie beim Dating auch haben Männer und Frauen also verschiedene Erwartungshaltungen. Welche Kriterien die Suche ein wenig erleichtern können, wird im nächsten Artikel zusammengefasst.

Einen Füllfederhalter richtig testen – Teil IV

Der Geschwindigkeitstest – Zusammenarbeit zwischen Tintenleiter und Feder

In einem Füllfederhalter übernimmt der Tintenleiter die Rolle, die in einem Restaurant der Kellner innehat: Er ist dafür zuständig, dass die Feder in einem angemessenen Rhythmus mit einer angemessenen Menge Tinte versorgt wird. Arbeiten beide nicht gut zusammen, können zwei Situationen eintreten: Der Kellner bringt zu viel Essen an den Tisch, das die Gäste unmöglich so schnell essen können, oder aber er bringt die Gerichte in normalen durchschnittlichen Abständen an den Tisch, aber die Gäste essen so ungewöhnlich langsam, dass das Essen kalt wird und die Teller sich unberührt anhäufen – der Füller kleckst, weil die übermäßig zugeführte Tinte nicht verwendet wird und austritt. Es kann auch sein, dass der Kellner zu langsam ist und die Gäste sehr lange zwischen zwei Gängen warten und hungrig bleiben: Es tritt keine Tinte aus der Feder aus, der Strich wird nicht ausgeführt.
Um zu prüfen, ob die Zusammenarbeit zwischen Tintenleiter und Feder bzw. die Breite des Tintenleiters optimal sind, sollte über eine längere Zeit ohne Pausen und mit wechselnder Geschwindigkeit geschrieben werden. Dies beantwortet nicht zuletzt die Frage nach der Alltagstauglichkeit des Schreibgeräts.
Schreibgeräte – und insbesondere ihre Tintenleiter – werden dafür entwickelt, mit einer bestimmten Tinte mit Standardeigenschaften in Fließ- und Trocknungsverhalten zu harmonieren. Die Hersteller verkaufen nicht zuletzt deshalb sowohl in Patronenform als auch in Gläschen eine eigene Tinte, deren Verwendung sie ausdrücklich empfehlen. Wird aber eine andere Tinte eingesetzt – zum Beispiel, weil eine besondere Farbe gewünscht wird, die im Sortiment der jeweiligen Marke nicht angeboten wird -, kann ein ungünstiges Verhältnis zwischen Tintenleiter und Feder unschöne Folgen haben. Ist der Tintenleiter zu eng, ist die Verwendung einer Tinte mit hoher Pigmentdichte problematisch,. Ebenso macht ein zu kleiner Tintenleiter Schnellschreibern Probleme: Der Tintenfluß ist zu langsam, um mit der Schreibgeschwindigkeit mitzuhalten. Wird die Schrift auf einer Seite von Zeile zu Zeile heller, stimmt etwas mit dem Tintenleiter nicht oder er harmoniert nicht mit der Feder. Es ist zwar meistens kein Reklamationsgrund, aber es kann sich lohnen, um eine Nacharbeitung oder einen Austausch zu bitten. Es besteht ansonsten die Gefahr, dass Tintenleiter und Federwurzel ungewöhnlich schnell verschmutzen und verstopfen und deutlich häufiger gereinigt werden müssen. In extremen Fällen kann dann eine gründliche Reinigung sogar schon nach jeder halben Konverter-Füllung notwendig werden. Die Regelmäßigkeit der Farbabgabe ist nicht nur die Bedingung für einen hohen Schreibkomfort unabhängig von Handschrift und Tintenart, sondern auch für die „innere Gesundheit“ des Füllers.
Interessant ist es auch – insbesondere bei Kolbenfüllern -, zu testen, wie leicht oder umständlich sich die Reinigung ggfs. gestaltet. Hiervon hängt ab, ob dem Füller lieber grundsätzlich eine bestimmte Tintenqualität und -farbe zugewiesen werden sollte oder ob er flexibel verwendet werden kann.