Bilderrätsel „Papier“

Was ist das?

Wunderschöne Büttenpapiere?

Raue Zeichenkartons in verschiedenen Größen und Schattierungen?

Aquarellpapier in kleinen Formaten?

Falsch geraten!
Zu sehen sind Verpackungen von Kartoffelbrei, Hygieneartikeln, Nudeln, Strumpfhosen … und vieles mehr. Von Recycling ist hier die Rede. Nur nicht von Recycling im traditionellen Sinn.
Selbstverständlich kann man Verpackungen zum Altpapier-Container bringen. Oder man entfernt die Kaschierung und die bedruckte Schicht und erhält praktisches und kostenloses Zeichenmaterial. Für Skizzen, Lesezeichen, Vorstudien, Kohle, Graphit, Aquarellstifte … Für einen schönen „natürlichen“ Rand empfiehlt es sich, die einzelnen Seiten der Verpackung nicht auseinander zu schneiden, sondern abzuknicken und vorsichtig abzureißen.

Papier & Stift: positive Diskriminierung

In Blogs und Magazinen sind in letzter Zeit Artikel ausgesprochen beliebt, die sich mit dem „Revival“ von analogen Schreibwaren beschäftigen, und auch Bücher zu diesem Thema scheinen stark in Mode zu kommen.
Dass die Attraktivität von Stift und Papier – ob sie nun als ungebrochen oder wiederentdeckt dargestellt wird – verschiedentlich immer häufiger unterstrichen wird, könnte ein Grund zur Freude sein, sollte es aber nicht.

Begriffe wie „Revival“, „Nostalgie“, „Spleen“, „Sehnsucht“ mögen publikumswirksam sein, sie implizieren aber eine Verniedlichung, die eigentlich in mehrfacher Hinsicht beleidigend ist: Sie degradieren Papier und Handschrift zu einem anachronistischen Kuriosum, einem obsoleten Gegenstand aus vergessenen Zeiten, einem Sammelobjekt für seltsame Geeks, einem verstaubten Museumsstück. Schlimmer noch, sie umgeben sie mit einem Hauch von Snobismus und elitärem Flair und verleugnen damit die Legitimität ihres Platzes in einem ganz gewöhnlichen Alltag, machen sie zum Ausnahmefall und Außenseiter, verschieben sie aus der Normalität in eine künstlich verschrullte, exaltierte Extravaganz.

Die psychologisch-soziologische Analyse, der analoge Schreibmaterialien bei dieser Gelegenheit unterzogen werden, ist, auch wenn sie mitunter von den Schreibwarenbegeisterten selbst stammt, ein klassischer Fall von positiver Diskriminierung. In ihrem Bedürfnis, das Interesse für Papier, Stift und deren Gebrauch begründen zu müssen, unterstellt sie schlicht eine Abnormität, die streng genommen die Absonderung erst schafft, und erfindet aus dem Nichts, aus einer Selbstverständlichkeit, ein untersuchungswürdiges Phänomen. Die so erzeugte Aufmerksamkeit wird unvermeidlich überspitzt und impliziert, dass mit den überzeugten Nutzern etwas nicht stimme: Es können Ewiggestrige, Anpassungsunfähige, Unbelehrbare, Uneinsichtige, Technikverweigerer, Protestler, Fortschrittsfeinde, Entwicklungsgestörte sein – von kauzig weltfremd bis skurril exzentrisch … jedenfalls handeln sie wider die Norm und wider die Mehrheit.
Die geschmeichelten Fans wähnen sich ob der Beachtung gelobt und bestätigt und fühlen sich zu langen Kommentarschlachten gedrängt, die sie nicht nötig haben sollten. In ausschweifenden Tiraden lassen sie sich zu Rechtfertigungen herab, und eine ursprünglich oft neutrale, spontane, rein praktische Präferenz ohne jegliche ideologische Konnotation verkommt zu einer streitfähigen Prinzipienreiterei, ja zu ausgewachsenen Glaubenskriegen, die das Image des Außenseitertums leider nur noch mehr verstärken.

Papier und Stift haben solche Plädoyers nicht verdient und brauchen sie auch nicht. Sie sind das Werkzeug der leisen Töne und sollten es bleiben. Wenn Liebhaber und Kritiker sie gleichermaßen als Besonderheit betrachten, verliert ihre unaufgeregte Normalität und Natürlichkeit jede Glaubwürdigkeit. Sie werden zu einem identitätsstiftenden Hobby herabgesetzt, und das Interesse, das ihnen zuteilwird, besiegelt zugleich das Ende ihres Daseins als vollwertige, ernstzunehmende Werkzeuge, macht sie zu Aliens im Zoo.

Papierwaren: Von Schrullen und Nöten

Wenn es um Schreibwaren geht, bin ich entsetzlich kleinlich, wählerisch und unflexibel. Ich habe sehr festgefahrene Gewohnheiten und werde unleidlich, wenn ich sie nicht ausleben kann. Meine Papierwaren müssen meinen sehr eng gefassten ästhetischen Maßstäben gerecht werden, welche wiederum bei weitem nicht für jeden – wohl eher für überhaupt niemanden – nachvollziehbar sind.

Der Grund dafür liegt in der Natur der Sache: Jeder Schreibende braucht für seinen Arbeitsprozess bestimmte Grundbedingungen. Manch einer kann Lärm nicht ertragen, ein anderer schreibt nur an der frischen Luft, andere erschaffen sich Rituale, indem sie zum Beispiel zu festen Tageszeiten arbeiten, immer dieselbe Schreibmaschine verwenden oder nie zu schreiben beginnen, ohne eine Tasse Kaffee oder Tee zur Hand zu haben. Was sich dahinter verbirgt, ist ein Grundbedürfnis und ein Allgemeinplatz: Schreiben ist nur möglich, wenn der Kopf frei ist und alles „stimmt”.

Bei mir ist der entscheidende Faktor das „Werkzeug” im erweiterten Sinne. Wenn es nicht passt, wenn es auf unangenehme Weise die Aufmerksamkeit auf sich lenkt, anstatt mit mir und meiner Denkweise zu verschmelzen, erfüllt es seine Aufgabe nicht. Dabei kann es um konkrete praktische Funktionen gehen, oder aber ebenso um Dinge, die das Auge – genauer gesagt in diesem Fall mein ziemlich überspitztes und ganz und gar kompromissfremdes Schönheitsempfinden – stören. Das, was ich zum Schreiben, aber auch für die Verwaltung meiner Arbeit (be)nutze, muss also mit mir im Einklang sein, damit ich mich wohlfühle und unbeschwert schreiben kann.

Diese seltsame Eigenart kann zu langwierigen Suchabenteuern führen, neben denen die Prüfungen eines Parzival und die Forschungen eines Indiana Jones wie ein gemütlicher Sonntagsspaziergang anmuten. So habe ich etwa dreißig verschiedene braune Tinten ausprobiert, bevor ich Diamines Row Sienna entdeckte, die allerdings „nur” zu 95 % der Idealfarbe gleichkommt. Den perfekten Aktendeckel – cognacfarben und aus einer sehr präzisen Kartonqualität muss er sein – suche ich noch immer; es gibt ihn, nur nicht in Deutschland oder von Deutschland aus zu kaufen.

Habe ich wiederum „das Richtige” für mich gefunden, entsteht eine sehr innige Verbindung, die, wenn es nach mir geht, ein Leben lang andauern kann. Problematisch wird es, wenn ein solches Lieblingsprodukt eines Tages vom Markt genommen wird, ohne dass ich die Möglichkeit habe, einen ausreichenden Vorrat anzulegen.
So gab es in der 80er-Jahren in jedem Copy-Shop bestimmte Karteikastenregister aus Pappe, die in den Farben rosa, blau, grau, gelb und grün in beschrifteter und unbeschrifteter Variante angeboten wurden. Für meine Bedürfnisse und meinen Geschmack waren sie perfekt. Als ich in diesem Jahr versuchte, genau diese Reiter nachzukaufen, stellte ich mit Entsetzen fest, dass es sie nicht mehr gibt. Mit den verschiedentlich angebotenen Scheußlichkeiten aus Holz, Plastik oder Spanmaterial konnte ich mich nicht anfreunden. So griff ich in Ermangelung passenden Werkzeugs und Ausgangsmaterials zum Trost zumindest zu einem schönen Karton.

Aus Römerturms Die Natürlichen in der Variante Stroh, einem minimalistisch gerippten Naturkarton mit Einschlüssen aus echtem Stroh, entstanden für meinen Blogplan 2014–2015 diese Trenner.

Was soll man sonst tun, wenn aus der Schrulle Not wird?

Reiter-02

Reiter-01

Kasten-04

www.mein-notizbuch.com

Mit Notizbüchern ist es so eine Sache. Hat man das richtige Format gefunden, stimmt vielleicht der Einband nicht. Oder die Lineatur ist ungeeignet. Es wäre doch ein Traum, sich ein Notizbuch nach seinen eigenen Vorstellungen gestalten zu lassen.
www.mein-notizbuch.com, ein relativ junges Unternehmen mit frischem und unkompliziertem, ansprechendem Internetauftritt, behauptet, genau das anzubieten, und gab mir die Gelegenheit, den Vorgang und das fertige Produkt zu testen.

Die Idee und der Bestellvorgang
Das Prinzip ist einfach: Unter einer Reihe von Notizbuchmerkmalen wie Einband, Lineatur, Ausstattung kann modular gewählt und zusammengestellt werden, was gefällt.
Zwei Produktqualitäten („Classic“ und „Premium“) und zwei Formate (A5 und A6) stehen zur Auswahl. Ich habe mich für Premium entschieden, weil mir das flache Gummibändchen besser gefiel als das runde der Classic-Reihe, und für mein Lieblingsformat, A5.
Die Seite ist sehr gut designed und dadurch selbsterklärend. Auch sehr unbeholfene Nutzer, wie ich in solchen Fällen normalerweise einer bin, finden sich sofort und intuitiv zurecht, was recht erfrischend ist. Man begreift auf Anhieb, was wie möglich ist, und muss sich weder durch ein Dickicht aus Menüs oder kryptischen Grafiken, noch durch FAQs durchquälen, um ans Ziel zu kommen.
Besonders angenehm ist die Tatsache, dass man sich zu keinem Zeitpunkt in einer Entscheidung gefangen fühlt: Man kann jederzeit alles ändern, ohne gleich wieder von vorn beginnen zu müssen. Es ist möglich, einen einzelnen Schritt zurückzugehen oder aber direkt zu dem Punkt zurückzuspringen, der überdacht werden soll. Man muss nicht alles wieder entfernen, um Details zu ändern, man muss nicht den gesamten Vorgang wiederholen, um alles umzuwerfen. Alles ist an jedem Punkt möglich. Und das bis zur letzten Sekunde.
Die Seite ist schnell im Aufbau, so dass keine umständlichen Ladezeiten die Zusammenstellung des Büchleins trüben. Insgesamt ist die Programmierung der Seite sehr durchdacht und sogar als ideal zu bezeichnen. Es entsteht ein Eindruck von grenzenloser Freiheit und Flexibilität, der Spielfreude und Kreativität fördert. Man vergisst die Zeit und hat von Beginn an unendlichen Spaß.

Der Einband
In der Classic-Ausgabe besteht der Einband aus laminiertem Karton, in der Premium-Variante aus Lederfasern. Ich konnte mir unter dieser Bezeichnung nichts Konkretes vorstellen, und meine Erwartungen waren daher eher gemischt. Tatsächlich handelt es sich um ein sehr dickes, stabiles und hochwertiges Material, das herrlich wie ein Schuhgeschäft duftet. Schon an diesem Punkt ist das Preis-/Leistungs-Verhältnis als hervorragend einzustufen.
Die Gestaltung des Einbands lässt keine Wünsche offen. Es ist eher fast schwierig, sich zwischen all den Möglichkeiten zu entscheiden. Vorder-und Rückseite können unabhängig von einander entworfen werden. Es stehen 28 Farben für Text und Hintergrund zur Auswahl, und 10 Farben für das Gummiverschlussbändchen. Geschmückt werden kann der Einband auf Vorder- und/oder Rückseite entweder mit fertigen Designs oder mit eigenen Fotos oder Grafiken, die unkompliziert hochgeladen, ausprobiert, wieder entfernt und ausgetauscht werden können. Für den Text, der auch nach Wunsch ganz weggelassen werden kann, stehen vier Fonts zur Auswahl. Die Schriftgröße passt sich automatisch der Textlänge an.

Das Innenleben
Selbst, wenn man noch nicht entschieden hat, wie der Einband aussehen soll, kann man den Gedanken auf später verschieben und sich dem Hauptteil des künftigen Notizbuchs widmen.
Für die erste Innenseite kann man ein Titelblatt gestalten … oder auch nicht, ganz nach Wunsch. Ist man ganz ratlos, kann man auf die angebotenen Anregungen zurückgreifen.
Wie die Seiten aussehen sollen, lässt sich ebenfalls modular zusammenstellen. Fünf Lineaturen (blanko, liniert, kariert, Punkte, Partitur) stehen zur Auswahl und können für rechte und linke Seiten unterschiedlich sein. Wer also links zeichnen und rechts schreiben will, kann Seiten bestellen, die auf der Vorderseite liniert und auf der Rückseite blanko sind. Mehr noch – es ist möglich, in einem Notizbuch bis zu drei verschiedene Arten von Lineaturen einbinden zu lassen.
Wer ein Themennotizbuch haben möchte, findet auf der unteren Leiste bereits 8 fertige Designs – neue Themen sollen demnächst hinzukommen. Bei den vier Lineaturmöglichkeiten darf man auch entscheiden, ob der Druck bis zum Seitenrand oder bis zur Bindung gehen soll. Eine Aufteilung in Spalten (2 oder 3) und das Hinzufügen einer Zeitleiste gehören zu den zusätzlichen Optionen.

Der Abschluss
Sind alle Entscheidungen getroffen, kann die Bestellung erfolgen. Auch hier ist die Programmierung besonders zu loben: Deutlich sichtbare und unmissverständliche Schaltflächen, eindeutige Aussagen und ein ästhetisch frisches und funktionales Design runden die Freude ab, die auch das Gestalten geprägt hat.

Das Notizbuch
Mein Notizbuch erreichte mich viel schneller, als ich es erwartet hatte, und es war nicht die einzige angenehme Überraschung.
Der Einband in der Premium-Variante ist sehr hochwertig und wirklich so unverwüstlich, wie die Werbung es verspricht. Noch verblüffender aber ist die Druckqualität. Ich hatte ganz absichtlich ein Foto ausgesucht, das für Druckereien erfahrungsgemäß eine echte Herausforderung darstellt. Schließlich sollte es sich um einen Test handeln. Das Ergebnis ist mehr als nur überzeugend. Wie schön das Notizbuch ist, ist unten zu sehen – es würde sich auch als Dekorationsgegenstand oder Sammelobjekt eignen.
Das Papier ist dick, glatt, gleichermaßen kugelschreiber-, bleistift-, füller- und filzstifttauglich und entspricht in etwa der Qualität, die für Notizbücher im oberen Museum-Merchandising verwendet wird. Selbst bei stärkerem Tintenfluss und starkem Druck scheint nichts durch.
Der Druck der Lineatur ist perfekt, die Liniendicke und -farbe sind elegant und praktisch zugleich.
Das Gummiband ist straff und bleibt es auch, was nicht selbstverständlich ist.
Einziger, allerdings winziger Kritikpunkt ist die Spiralbindung. Ich kann nicht genau ermitteln, ob das Buch schlicht zu viele Seiten enthält, das Papier zu dick ist, oder die Lochung leicht versetzt oder größer werden müsste, aber die Seiten haken manchmal ein wenig beim Blättern.
Abgerundet wird das Notizbuch durch ein schönes Kartontäschchen zur Aufnahme loser Zettel und ein Vorblatt aus demselben Material.
TextLoft hat nun zum allerersten Mal ein eigenes Notizbuch.

Insgesamt ist mein-notizbuch.com ein gelungenes, durchdachtes und erfrischendes Konzept mit einem ganz außergewöhnlichen Preis-/Leistungsverhältnis und einer beeindruckenden Produktqualität. Die Notizbücher sind bei weitem keine reine Spielerei, sie eignen sich durchaus als hochwertiges Geschenk für Privatpersonen oder Unternehmen. Übrigens können auch Terminplaner gestaltet werden.

HIER sind die Notizbücher zu finden.

Vielen Dank noch einmal an dieser Stelle an www.mein-notizbuch.com für diese Gelegenheit – und insbesondere an Stephanie für den ausgesprochen netten Kontakt .

Ein schöner Anblick

MeinNotizbuch-01

Noch schöner – ohne das Bändchen

MeinNotizbuch-01-02

Detailbild: Verschlussband

MeinNotizbuch-03

Die Innenseite des Einbands

MeinNotizbuch-05

Das Vorblatt

MeinNotizbuch-06

Die erste Seite

MeinNotizbuch-07

Seitenblock 1: in meiner Auswahl liniert

MeinNotizbuch-08

Detailbild: mit kleinem Rand

MeinNotizbuch-09

Detailbild vom Seitenblock 2: ohne Rand, um den Unterschied zu zeigen

MeinNotizbuch-10

Seitenblock 3: blanko, um zu sehen, wie solche Seiten wirken

MeinNotizbuch-11

Dokumententäschchen aus hochwertigem Karton

MeinNotizbuch-12

Die Rückseite

MeinNotizbuch-02

Warum ich Notizbücher liebe

Dass Notizbücher meine besten Freunde wurden, war keine Selbstverständlichkeit und stellte sich erst relativ spät heraus.
Als ich klein war, beneidete ich immer die Schüler der höheren Klassen, die nicht angehalten waren, Hefte zu benutzen und auf lose Ringbuchblätter schreiben durften. Die losen Blätter wurden für mich zum Symbol des Erwachsenseins und der damit verbundenen Freiheit, und ich war heilfroh und stolz, als auch ich endlich in die Klassenstufen kam, in denen jeder seine Schreibmaterialien so wählen konnte, wie er wollte. Die losen Blätter wurden zur demonstrativen Form meiner ganz persönlichen Emanzipation vom Kinderdasein.
Erst nach dem Studium begann ich, die praktischen Seiten von Heften und Notizbüchern wirklich zu schätzen und auch ihre optische Geschlossenheit zu genießen. Sie sind haltbarer, es fällt nichts heraus, man muss die Seiten nicht einmal nummerieren. Allein das Heraustrennen einer unerwünschten Seite ist manchmal etwas schwieriger, aber nicht unmöglich. Es entfällt die Notwendigkeit einer Unterlage, und das Schreibgefühl ist immer gleich  – aus diesem Grund bevorzuge ich Briefpapier mittlerweile auch in Schreibblockform und meide die üblichen Schachteln.
Die gebundene Form ist etwas Unvergleichliches. Sie ist für mich viel mehr als ein rein technisches und äußerliches Merkmal. Sie gibt meinem Schreiben Halt. Sie schafft Geborgenheit  – als würde man sich in seinen Lieblingspullover einkuscheln oder in einem Lieblingssessel verkriechen. Es ist ganz egal, wo ich bin, das geschlossene Büchlein in meiner Hand oder in meiner Umhängetasche gibt mir das Gefühl, zu Hause zu sein, geschützt, sicher, fast unangreifbar. Es ist, als könnte mir nichts passieren, solange mein Notizbuch in Reichweite ist. Es ist die einzige Heimat, die ich wirklich brauche, der einzige Hafen, den ich wirklich spüre, der einzige Festpunkt, auf den ich mich verlassen kann.
In ihrer bewahrenden Eigenschaft sind Notizbücher nicht nur Archiv und Quelle. Sie sind Enklaven unserer Alltags, das Sinnbild eines einfachen, ursprünglichen und unaufgeregten Lebens. Sie haben ihre ganz eigene Treue … und ihre ganz eigene Ehrlichkeit. Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft, Ferne und Nähe verwandeln sie zu einem abgeschiedenen Kosmos, den wir überall hin mitnehmen können. Sie sind das Meer und die Insel zugleich.
Bis ich dies begriff, hat es verhältnismäßig lange gedauert. Umso inniger wurde diese Liebe, und meine Notizbücher, -hefte und -blöcke sind heute ein Teil meiner Selbst, unentbehrlich und selbstverständlich wie die Luft zum Atmen. Sie sind der sinnliche Ausdruck des Schreibens.

Tintensammlung

Es begann damit, dass ich eines Tages beschloss, eine neue Tintenfarbe für meine private Korrespondenz auszuwählen. Grau- und Brauntöne kamen in Frage. Die Auswahl war groß. Zu groß. Besonders die Brauntöne machten mir das Leben schwer: Die meisten waren zu altrosig, zu schwärzlich … Nach dem perfekten Braun suche ich noch immer – obwohl Diamines Raw Sienna dem schon sehr nahekommt und im Moment täglich verwendet wird. Nach und nach schlichen sich auch andere Töne ein, die mit der ursprünglichen Suche nichts zu tun hatten. Mittlerweile ist die Sammlung wieder auf die Hälfte ihres zwischenzeitlichen Umfangs zurückgegangen, und meine Markenvorliebe hat sich gefestigt.

Tintensammlung-06

Tintensammlung-01

Tintensammlung-02

Tintensammlung-03

Tintensammlung-04

Tintensammlung-05