MUSTERBÜCHER

MARTINE PAULAUSKAS

Category: GRÜN

Schönheitsrituale … mehr als nur Pflege

Rituale begleiten uns ein Leben lang – ob es uns bewusst ist oder nicht, ob wir es wollen oder nicht. Auch wenn wir uns eines Tages, wie es der Lauf der Dinge will, von der Gute Nacht-Geschichte verabschieden, die uns in der Kindheit Halt und Geborgenheit gab, hören wir niemals auf, neue Traditionen zu erfinden und anzunehmen, die unserem Alltag Struktur verleihen. Für manche muss der Urlaub unbedingt mit einem bestimmten Gericht in einem bestimmten Restaurant beginnen, andere würden niemals ihr Lieblings-Sportereignis verpassen, einige Familien reisen seit Menschengedenken einmal im Jahr von allen Ecken und Winkeln der Welt an einem Ort ein, um immer auf dieselbe Weise miteinander zu feiern.

Rituale haben viele Facetten. Sie können reine und nicht besonders wichtige Gewohnheiten sein, die sich aus praktischen Gründen einschleichen und einen festen Platz einnehmen. Die Schlüssel werden ganz automatisch immer an dieselbe Stelle gelegt, die Kaffeemaschine immer vor dem Toaster eingeschaltet. Rituale ordnen das Leben, teilen es ein und geben ihm Form.
Die Grenze zum Aberglauben ist allerdings fließend. Viele Studenten kennen die berühmte Glücksunterhose, Leistungssportler legen zuweilen befremdende Verhaltensmuster an den Tag.

Doch ganz gleich wie ausgeprägt oder ein wenig zwanghaft unsere Rituale sind – und auch wenn wir uns entschieden davon freisprechen, welche zu haben –, sie sind wichtig und nicht nur für die kindliche Entwicklung sinnvoll und förderlich.

Gerade Schönheitsrituale sind mehr als nur Pflege und von schier unendlicher Vielseitigkeit.
Die Wirksamkeit einer Tagescreme ist zum Beispiel ein vergleichsweise nur geringer Aspekt ihrer Bedeutung. Ihr Duft begleitet uns wie ein unauslöschlicher, im Hintergrund immer präsenter Gedanke über viele Stunden, und es ist deshalb wichtig, dass wir ihn als angenehm empfinden, dass wir uns mit ihm identifizieren können, dass er vertraut ist, dass er zu uns passt, uns Energie, Ausgeglichenheit und Selbstsicherheit bringt. Er umgibt uns wie ein Talisman, bringt uns mit der Zukunft in Einklang und schenkt uns das Gefühl, dass alles nur gelingen kann.
Wenn am Abend die Haut sorgfältig abgeschminkt wird, geht es nur bedingt um die Reinigung der Poren und die Erhaltung eines jugendlichen Aussehens. Jenseits dieser vernunftbegründeten Motivation suchen wir in Wirklichkeit etwas anderes. Mit jeder Geste, die die Gesichtskonturen entlang gleitet, mit jeder Berührung des Wattepads entschädigen wir uns für die Hektik eines schweren Arbeitstags, spenden uns Trost, streifen Müdigkeit und Frust ab, befreien die Seele von Gift und Altlasten, lassen uns fallen, um wieder zu uns selbst zu finden.

Insbesondere in unserer schnelllebigen und stressigen Welt erschaffen Schönheitsrituale kleine Inseln, die nur uns gehören. Sie sind vor allen Dingen Individualisierung und die Gelegenheit, einige Augenblicke des Tages so zu gestalten, wie wir es wollen und brauchen. Sie sind ein Stück Selbstbehauptung und ermöglichen es uns, ohne Vorgabe von außen das zu tun, was gut für uns ist. Gelöst von den Diktaten von eMail, Kunden, Vorgesetzten, Familienstundenplänen und ständiger Erreichbarkeit helfen sie uns, ein Gefühl der Unabhängigkeit und Selbstbestimmtheit aufrechtzuerhalten … manchmal auch erstmals zu gewinnen.

Unsere Schönheits- und Pflegerituale sind Oasen der Aufrichtigkeit und des inneren Gleichgewichts, Momente, in denen wir uns ganz auf uns konzentrieren können und dürfen. Es geht um mehr als nur Wohlbefinden, Fältchen, Festigkeit und die Sehnsucht nach dem Strahlen der Stars.
Es geht um das, was wir nicht für andere, sondern für uns selbst sein wollen und was zu sein uns dank Tiegelchen und Fläschchen einige Augenblicke lang vergönnt ist.

TEXTDATEN:
Thementext für eine Frauenzeitschrift bzw. eine Publikation eines Kosmetik-Unternehmens
Themenbereiche: Kosmetik, Beauty
Textart: Artikel, Kolumne, Einleitungstext, Blogartikel
Textfarben: hellgrün, türkis

Sabine Harmand – Die Verwundbarkeit des Augenblicks

Rau ist die Bretagne, die die deutsche Malerin Sabine Harmand zu ihrer Wahlheimat erkoren hat. Doch ihre Gemälde erzählen nicht von beständigen Klippen, steilen Felsen und unzähmbaren lauten Brandungen. Einschüchternde Naturgewalten sind ihnen fremd.

Die Landschaften der Sabine Harmand sind weitläufig fragil und überwältigend entblößt. Wasser und Himmel sind allgegenwärtig, oft still, nachdenklich. Menschen finden sich dort wenn überhaupt nur als Zeichen und Spuren wieder: Lediglich seltene Häuser und Boote erinnern gelegentlich an sie. Der Pinselstrich ist lebhaft, nimmt sich jedoch zurück und deutet mit beinahe ungläubiger Bewunderung, mit demütigem Staunen an. Die Ausdrucksstärke dieser Bilder liegt in dem impressionistischen Blick, der hungrig die Verwundbarkeit des Augenblicks festzuhalten versucht. Der eigentliche Gegenstand ist immer gerade das Implizierte, das Detail zu Zeit werden lässt.

Ziehen sich die Bilder ins Innere des Hauses zurück, werden die Motive zart, geradezu filigran. Von Stillleben kann nicht die Rede sein. Vergebens sucht man nach Arrangements und Kompositionen. Zufällig gepflückte Wildblumen in schlichten Glasvasen zittern noch im leichten Windhauch der Hand, die sie soeben noch berührt hat. Bescheidene Gartenpflanzen in ländlichen Tongefäßen zeugen von einer unaufgeregten, charmant tapferen Zerbrechlichkeit. Ihre schüchterne Vergänglichkeit gibt sich kostbar, fröhlich und selbstbewusst.

Die Bilder der Sabine Harmand sind mehr als nur Momentaufnahmen. Sie fangen die stetigen und fast unmerklichen Bewegungen der Natur ein und bewahren sie in ihrer flüchtigsten Form – in der Sekunde, in der sie sich auflösen und erschließen. Es ist eine nüchtern-sensible und höchst differenzierte Kunst, die kraftvoll die Verletzlichkeit des Augenblicks zelebriert.

TEXTDATEN:
Werkporträt.
Themenbereiche: Kunst
Textart: Artikel
Textfarben: bronzegrün

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