Kunstdiebstähle und Kunstfälschungen sind in der Unterhaltungsindustrie ein beliebtes Thema: Von Topkapi bis Thomas Crown oder Verlockende Falle über Fernsehserien wie White Collar: Art Crimes faszinieren und nicht selten ertappen sich die ehrlichsten Menschen dabei, für die Verbrecher eine gewisse Bewunderung aufzubringen. Übersehen wird bereitwillig, dass die glamouröse Intelligenz der Kriminal-Fiktion mit ihren genialen und zumeist so charmanten wie attraktiven Gentleman-Dieben in der Realität nur wenig Platz hat. Selbst wenn – und dies ist statistisch betrachtet und nach Einschätzung der Fachleute eher selten der Fall – ein smarter Auftraggeber und Feingeist mit eigener Kunstsammlung der Urheber des Verbrechens ist, bleibt die eigentliche Tat eben das: ein Verbrechen, das weniger überlegen brillantes Denken denn Handwerk, sportliche körperliche Verfassung und Erfahrung erfordert. Dokumentationsreihen bemühen sich zwar, das Bild in diesem Sinne zurechtzurücken, doch bleibt ihr Erfolg dabei bescheiden und dies zeigt nicht zuletzt, wie sehr Kunst in unserer Vorstellungswelt und Subjektivität etwas Besonderes ist, etwas Kostbares, das wir uns nicht ohne Weiteres durch die schnöde Wirklichkeit herabreden lassen.
Wer aber tatsächlich mit dem Kunstbetrieb vertraut ist und zudem auf der „Textseite“ der Kunstwelt sein berufliches Leben verbringt, weiß, was nach einem solchen Vorfall tatsächlich passiert und welche Bedeutung die ersten Stunden und Tage nicht nur für die Ermittler haben.
In erster Linie ist ein Kunstdiebstahl, ganz gleich in welcher Form er stattfindet, der Beginn eines Wochen und mitunter Monate andauernden PR-Albtraums, der zwei Fronten aufweist, an denen simultan, schnell, effizient und vor allem zielführend gekämpft werden muss: Die Rezeption durch die breite Öffentlichkeit über Medien, Blogs und Influencer und der Umgang mit Leihgebern, Sponsoren und Mäzenen erfordern gesonderte, jedoch parallele Kommunikationsstrategien. Pressemitteilungen und Interviews, die für das museumsferne Publikum bestimmt sind, erreichen selbstverständlich auf verschiedenen Wegen gleichermaßen die oft langjährigen Partner in In- und Ausland. Die Balance aus Information und Transparenz einerseits und Vertrauenserhalt bzw. Vertrauenswiederaufbau andererseits mündet in sehr unterschiedliche Textqualitäten, die viele textpsychologische Aspekte berücksichtigen müssen.
Textliches Krisenmanagement bedeutet zum einen, dass trotz des Zeitdrucks und der sich daraus ergebenden Notwendigkeit, Adressaten in Kategorien zu gruppieren, eine sehr gezielte und subjektiv sehr individuell rezipierbare Ansprache gewährleistet werden muss.
Zu den differenzierenden Merkmalen gehören hier zweifelsohne die Tiefe, Aktualität, Häufigkeit und Ausrichtung bisheriger Beziehungen.
Ist eine internationale Kommunikation erforderlich – und dies in solchen Fällen eher die Regel als die Ausnahme – darf allerdings auch der interkulturelle Kontext nicht vernachlässigt werden. Eine profunde Kenntnis der Erwartungen, Gepflogenheiten, Codes und Empfindlichkeiten im jeweiligen musealen und kulturellen Umfeld im Zielland ist ebenso unerlässlich wie eine ausreichende Erfahrung mit solchen Situationen, entsprechende stilistische Fähigkeiten und kunsthistorische Fachkenntnisse, und dies sollte bei der Wahl von Textern und Übersetzern einbezogen werden, denen in diesem Zusammenhang zudem eine wichtige Beratungsaufgabe zukommt.
Dies ist umso wichtiger, wenn – wie dies in dieser extremen Form erstmalig beim spektakulären Raub im Louvre am 19. Oktober 2025 der Fall ist – das Geschehen vor Ort zu einem Politikum führt, das gefährlich nah an der öffentlichen Schlammschlacht wandert und objektbezogene Fakten und Gegebenheiten beinahe zur Nebensache degradiert. Diese Problematik auf internationaler Ebene erklärend, schadensbegrenzend und imageerhaltend zu vermitteln, erfordert neben einer sehr präzisen und gekonnt ausbalancierten Stilistik und diplomatischem Geschick eine genaue, sensible und hochspezialisierte Einschätzung des Denk- und Werteschemas der Ausgangskultur sowie der Facetten und Unwägbarkeiten ihrer Wahrnehmung in der Kulturwelt des Ziellandes.
Auch die später einsetzende Nacharbeit kann im Bereich der Kommunikation zu einem heiklen Wagnis werden, etwa wenn nach der Nachbesserung von Sicherheitsanlagen neue Facility Reports übermittelt werden oder wenn potenzielle Leihgeber vor künftigen und recht zeitnahen Ausstellungsprojekten überzeugt werden sollen und dadurch vergessen geglaubte Verunsicherungen wieder zu Tage treten können. Um einen früheren, ungetrübten und vertrauensvollen Beziehungsstand wiederherzustellen, ist Kontinuität in der Tonalität der fremdsprachigen Texte hier ebenso wichtig wie der Verzicht auf das Englische als Allzwecksprache zugunsten eines respektvollen und demonstrativ nahbaren sprachlichen Entgegenkommen.
Kunst und Kultur brauchen Texte, die – ganz gleich in welcher Sprache sie kommunizieren müssen oder möchten – sie in Duktus und Rezeption angemessen vertreten. Dies gilt selbstverständlich für ihre wissenschaftlichen, öffentlichkeitsorientierten, vermittelnden und pädagogischen internen Aufgaben, aber umso mehr in den besonders unangenehmen Situationen, in denen PR und persönliche Beziehungen zu einer Herausforderung werden können.
Seit 1994 unterstützte ich Galerien, Museen und Auktionshäuser im internationalen textlichen Krisenmanagement infolge von Straftaten, Verlust oder Beschädigungen von Kunstwerken. Feinfühlig, diplomatisch, zielführend, partnerschaftserhaltend, imagesichernd.