Wind

Wenn im nördlichen Wald Wind aufkommt, entbrennt im Nu ein aufmerksamer Dialog. Im Klangkörper der Laubbäume entladen sich selbst harmlose Böen viel zu früh zu einem beängstigenden Wasserfall. Es ist ein überwältigendes Rascheln – voller angespannter Erwartung und nervöser Konzentration, ein überspitztes und bedrohungsschweres Wachen, das keine Nachlässigkeit duldet.

Anders an Orten des Sommers.

Hier ist der Wind Geborgenheit, Farbe und Licht.
Das trockene Schlagen des flatternden Tuchs an Markisen und Sonnenschirmen teilt die Weite in kleine, vertraute und geschützte Räume ein. Eine vergessene Zeitungsseite fliegt lautlos vorbei, während das sanfte Schaukeln der Pinienkronen verspielte Schatten auf den blassen Staub zeichnet.
Aus dem klaren Wasserstrahl eines hell plätschernden Brunnens lösen sich abenteuerlustige Tropfen, die verschmitzt den Spaziergänger kitzeln.
Dieser Wind neckt, unbeschwert und ein wenig frech. Im fröhlichen Tanz leichter Sommerröcke sucht er genügsam nach ein wenig Aufmerksamkeit. Er will nur zeigen, dass es ihn gibt, sagen, dass alles gut ist. Er ist das beruhigende Versprechen von Beständigkeit, Sorglosigkeit und Sicherheit und trägt durch die sonnige Luft Botschaften der Zuversicht.
Der Abend verwandelt ihn. Er wird jugendlich und emotional. Aufgekratzt treibt er an, etwas zu wagen, die Nacht zu auszukosten. Übermut schwebt im dunklen Himmel, wenn der Tag zu Ende ist.

Ob ein laues zartes Streicheln die Haut fast unmerklich verwöhnt, eine sinnliche, bissig brennende Umarmung willkommen heißt – an Orten des Sommers ist der Wind Phantasie, Leben und Energie. Er ist Vergangenheit und Heute, Leichtigkeit und Halt, Trost und Hoffnung, Begleiter und Freund. Und immer, immer: überschwängliches Glück.

TEXTDATEN:
Einleitungstext zu einem Bildband-Kapitel, Sprechertext zu einer Fernseh-Dokumentation.
Themenbereiche: Tourismus, Mittelmeer, Orte des Sommers
Textart: Stimmungstext, Momentaufnahme, Bildtext
Textfarben: gelb, hellbeige, ocker