Süden

Es gibt Orte, an denen der Sommer nie zu Ende geht. Selbst wenn die Sonnenstrahlen längst nicht mehr heiß sind, wenn die Farben fahl, der Wind kraftvoll und bissig wird, ist er noch da.
Er ist nicht nur Erinnerung.
Er lebt im warmen Beige verwitterter Häuser, im sandigen Apricot verblasster Dachziegel, im absplitternden Anstrich hölzerner Fensterläden.
Vergessene Geranientöpfe, rostige Schmiedeeisengitter und verblühte Oleander trotzen in ihrem Verfall der Zeit entgegen und sehnen sich schon in der hellen Pause nach dem nächsten Mal. Die still gewordenen Gassen ruhen lebensfroh und nur für einen Augenblick. Entlaubtes Rankwerk schimmert bläulich-grau auf staubigem Grund. Eine winzige Eidechse besucht verwundert den nicht mehr heißen Stein.
Auf Beton kratzende Stuhlbeine und klirrendes Geschirr zerreißen die leuchtende Luft. Fröhliches Aufräumen und entspannte Geschäftigkeit verwandeln mit naiv hoffnungsvoller Sorglosigkeit den Abschied in Anfang.

TEXTDATEN:
Einleitungstext für einen Bildband, Sprechertext zu einer Fernseh-Dokumentation
Themenbereiche: Tourismus, Mittelmeer
Textart: Stimmungstext, Bildtext
Textfarben: blau, blau-grau, blau-grün