Staub

Während Staub im Norden verlassene und einsame Orte, ungenutzte und ungeliebte Gegenstände heimsucht, sich im Inneren kalter Bauten versteckt, demonstrativ Nachlässigkeit bloßstellt oder Vergangenheit adelt, ist er an Orten des Sommers das Zeichen von Geselligkeit, Begegnung und Geschichten.
Staub ist hier nicht Stille und Langeweile, sondern Lebhaftigkeit, Fröhlichkeit, Ausgelassenheit. Tiefgründig und voller Herzenswärme ruht er unter den Frühstückslauben der Hotels, wirbelt auf dem Boden der Boules-Plätze, an Parkbänken, auf Sandalen, im Wildkraut eines vergessenen Randstreifens.
Hat er sich erst vom wankelmütigen Frühling befreit, begleitet er den Menschen liebevoll bis zu den letzten Strahlen des Herbstes und folgt von der Morgenfrische bis zu den müden Stunden des lauten Abends, vom hellen Mittag bis zur trägen Hitze wie ein alter Streuner treu jedem Schritt.
Er ist nicht lästig und wird es auch nicht. Er amüsiert und neckt, ermutigt und lächelt, vertreibt kindisch verspielt die Einsamkeit. Er ist der sichtbare Freund eines unsichtbaren Dialogs, der Wächter über die demütige Gelassenheit eines perfekten Lebens.