Morgengrauen

In den letzten Augenblicken, bevor der Tag wirklich erwacht, wenn die Sonne ihre Strahlen erst andeutet, ist das Meer noch nicht Meer. Leicht wie ein sanfter Schal aus feiner blaugrauer Seide wellt es sich zart und luftgleich in der verspielt schwachen Brise. Sein Weiß weilt lange am unberührten Strand und zerplatzt nur langsam, lautlos, auf dem glatten Sand. Am braunen Felsen zieht es sich in kleinen dunklen, flachen Pinselstrichen kräuselnd zurück, von den winzigen Krabben unbemerkt, die allein um diese Zeit wach sind. Das Wasser ist noch nicht Wasser, es hat keine Tiefe, keine Absicht, es muss nichts. Im Streicheln jenes Hauchs zwischen Nacht und Morgen bleibt es gelöst ätherisch, leise, ruhig. In diesen wenigen, zerbrechlichen Minuten ist das Meer Magie, von aufrichtiger und unwirklicher Schönheit, intim und offen, frei, genügsam und ernsthaft. Es muss sich nicht verstellen, nichts darstellen, nicht imponieren. Es darf einfach sein.