Herbstmorgen

Dass es Max hieß, war dem Eichhörnchen nicht bewusst. Was es sich allerdings sehr gut merken konnte, war, dass es auf dieser Terrasse auch schon im frühen Herbst Hasel- und Walnüsse im Überfluss vorfand, die es nach Herzenslust auf dem umliegenden Gelände vergraben konnte. Noch waren die Bäume grün, aber die Luft roch schon feuchter, und bald würden sie die wunderschönen Farben des Indian Summer annehmen, die Jahr für Jahr Touristen aus allen Teilen des Landes und darüber hinaus anlockten. Es war an der Zeit, Vorräte für die kalte Jahreszeit zusammenzutragen. Auf die Terrasse zu gelangen, war für Max umständlich, aber es war die Mühe wert. Zu allen Tageszeiten gab es hier ein Schlaraffenland für Eichhörnchen, und das wusste Max ganz genau. Die Terrasse, die im eigentliche Sinne ein in Breite und Länge überdimensionaler Holzbalkon war, lag stark überhöht an einem weitläufigen, leicht abschüssigen, nach Süden gerichteten Hang, der mit wildem Gestrüpp und allerlei Büschen bewachsen war. Auf der vom Haus aus gesehen linken Seite überschattete sie ein alter kränklicher Ahorn, dessen Äste für Max einen steilen, wenn auch nicht gerade bequemen Zugang ermöglichten. Er hatte inzwischen gelernt, dass es zwei Wege gab, um an die begehrten Nüsse zu kommen: Entweder sie lagen bereits da, und er brauchte sich nur noch zu bedienen, oder er musste mit lautem Poltern auf den schweren Bodenbalken oder Kratzen an den Scheiben auf sich aufmerksam machen, dann öffnete sich eine Glastür, und er bekam das, was ihm seiner Meinung nach zustand – es sei denn, er war zu früh dran, und man schlief hier noch.
An diesem Morgen war es noch kühl, aber die Sonne verhieß einen noch angenehm warmen, wenn auch nicht mehr heißen Tag, und die breite Schiebetür war weit geöffnet. Zwei Monate lang hatte eine unerbittliche Hitze das Land in einen beinahe unerträglichen Glutofen verwandelt, doch plötzlich schien das Wetter Erbarmen zeigen zu wollen, und über Nacht war die lang ersehnte Abkühlung gekommen. So war die Aussicht auf einen nur warmen Tag so etwas wie Erholung für Natur und Menschen.