{"id":892,"date":"2013-12-09T15:04:05","date_gmt":"2013-12-09T13:04:05","guid":{"rendered":"http:\/\/www.textloft.de\/dasblog\/?p=892"},"modified":"2025-10-15T13:19:48","modified_gmt":"2025-10-15T11:19:48","slug":"und-das-chaos-bleibt-aus-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.textloft.de\/dasblog\/und-das-chaos-bleibt-aus-2\/","title":{"rendered":"Und das Chaos bleibt aus"},"content":{"rendered":"<p>Berufsbilder werden weniger von tatschlichen Informationen, Fakten und Zahlen gepr\u00e4gt als von hartn\u00e4ckigen Ger\u00fcchten, die sich nicht selten \u00fcber Jahrhunderte halten. So sollen Schreibende, die etwas auf sich halten, in mit allerlei Unrat vollgestopften Wohnungen hausen, verwahrloste fleckige Kleidung\u00a0&#8211; vorzugsweise Schlafanz\u00fcge, Morgenmantel oder schlicht Unterw\u00e4sche\u00a0&#8211; tragen, sich haupts\u00e4chlich von Kaffee und Alkohol ern\u00e4hren, und schon gar nicht in der Lage oder willens sein, die einfachsten praktischen Dinge zu organisieren und zu meistern, geschweige denn Termine einzuhalten. Interessanterweise ist diese Vorstellung auch unabh\u00e4ngig von Bildungsgrad oder gesellschaftlichem Hintergrund verbreitet.<br \/>\nIch habe <strong><a href=\"https:\/\/www.textloft.de\/dasblog\/zu-normal-zum-schreiben\/\">andernorts<\/a><\/strong> geschildert, wie verbl\u00fcfft manche Besucher sind, wenn sie ein sauberes, aufger\u00e4umtes und recht puristisch eingerichtetes TextLoft betreten. \u00c4hnliche Reaktionen beobachte ich auch immer wieder, wenn jemand zuf\u00e4llig die Gelegenheit bekommt, einen Blick auf meinen Terminkalender zu werfen, der offen ausgebreitet auf meinem Schreibtisch liegt und f\u00fcr viele offenbar eine Art Faszinosum darstellt.<br \/>\nEs handelt sich um einen XL-Moleskine-Wochenkalender mit Notizbuch, wie er <a href=\"http:\/\/store.moleskine.com\/de\/home-slider\/2014-12-monate-wochennotizbuch.html#755=7&amp;757=72&amp;759=127\">hier<\/a> zu sehen ist. Dieses Format verwende ich schon seit geraumer Zeit, weil es eine gute Verbindung von Terminen, Aufgaben und Projekten und die parallele Verwaltung von konkreten Daten und Zeitleistenabl\u00e4ufen erm\u00f6glicht.<br \/>\nDer Kalender wird streng und ausf\u00fchrlich gef\u00fchrt. Feste Termine, Projektphasen und Unumg\u00e4ngliches werden links eingetragen, w\u00e4hrend die Notizbuchseite rechts eine flexiblere To-Do-Liste aufnimmt: Korrespondenz, Blogartikelplan, zu erledigende Recherchen, aber auch ganz praktische haushalts- und gartenbezogene Aufgaben werden nach einem konsequenten System aus Farbkennzeichnungen, doppelten, einfachen und gestrichelten Unterstreichungen notiert und in einem kurzen Text pr\u00e4zise erl\u00e4utert. Diese durchgehende Strukturierung des Alltags passt in der Vorstellung der meisten in keiner Weise zu einem vermeintlich &#8222;spontan inspirierten&#8220; &#8222;Kreativen&#8220;, dem ja per se jede Form von Pflichtgef\u00fchl und Selbstdisziplin fehlen m\u00fcssen, und es ist immer wieder \u00e4u\u00dferst am\u00fcsant, zu beobachten, mit wie viel Entt\u00e4uschung die Entzauberung mitunter einhergeht.<br \/>\nDabei funktioniert der kausale Zusammenhang genau umgekehrt. Schreiben ist eine ganz und gar sinnliche T\u00e4tigkeit, die als solche zwei Dinge erfordert: innere Ruhe und grenzenlose Freiheit. Ohne diese beiden Bedingungen ist es nicht m\u00f6glich, sich gedanklich einzulassen und unbelastet den Zugang zu dem zu ersp\u00fcren, woraus Text werden soll. Das nur scheinbar grenzenlose und prosaische Regiment einer kleinlich-zwanghaften Zeitplanung schafft erst die Unbeschwertheit, ohne die nicht geschrieben werden kann.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Berufsbilder werden weniger von tatschlichen Informationen, Fakten und Zahlen gepr\u00e4gt als von hartn\u00e4ckigen Ger\u00fcchten, die sich nicht selten \u00fcber Jahrhunderte halten. 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