{"id":550,"date":"2012-01-27T13:40:36","date_gmt":"2012-01-27T11:40:36","guid":{"rendered":"http:\/\/www.textloft.de\/dasblog\/?p=544"},"modified":"2023-09-24T16:20:05","modified_gmt":"2023-09-24T14:20:05","slug":"freiheit-und-jahresbeginn","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.textloft.de\/dasblog\/freiheit-und-jahresbeginn\/","title":{"rendered":"Freiheit und Jahresbeginn"},"content":{"rendered":"<p>Eine der sch\u00f6nen Seiten des K\u00fcnstlerdaseins ist f\u00fcr mich die Tatsache, dass es mir erm\u00f6glicht, zumindest in weiten Teilen das Gef\u00fchl der Selbstbestimmtheit aufrechtzuerhalten, das ich in den letzten Jahren des Studiums als die f\u00fcr mich einzig richtige Lebensform entdeckt hatte. Objektiv betrachtet arbeitet man bei weitem nicht weniger, aber das Wissen um die M\u00f6glichkeit, die eigene Zeit frei einteilen zu k\u00f6nnen, f\u00f6rdert nicht nur die Kreativit\u00e4t, sondern in sehr erheblichem Ma\u00dfe auch die Qualit\u00e4t des Ergebnisses. Will ein Absatz nicht richtig gelingen \u2013 etwa nach einer schlechten Nacht, wegen st\u00e4ndiger St\u00f6rungen durch Telefon und T\u00fcrklingel -, kann man sich ohne schlechtes Gewissen dem Fensterputzen\/Kelleraufr\u00e4umen oder irgendeiner anderen hirnwindungenbefreienden T\u00e4tigkeit widmen: Am folgenden Tag wird man problemlos und ganz unbemerkt 18 Stunden ohne Pause schreiben, nachdem sich Frische und Inspiration wieder eingestellt haben. Arbeit wird so nicht als Zwang empfunden, denn sie folgt sozusagen dem eigenen Biorhythmus.<br \/>\nDie damit verbundene Unsicherheit sehe ich als den gerechten Preis daf\u00fcr, dass ich meine Jugend so k\u00fcnstlich ins Unendliche verl\u00e4ngern darf und mir den Luxus leiste, das Erwachsenwerden einfach und mutwillig zu verweigern.<br \/>\nDiese Freiheit ist durchaus real, aber so m\u00e4rchenhaft sie sich anh\u00f6ren mag, sie ist nat\u00fcrlich nicht grenzenlos. Als Selbstst\u00e4ndige mit Verantwortungsbewusstsein f\u00fcr das eigene Leben muss man auch die Auftr\u00e4ge feiern, wie sie fallen. Pl\u00e4ne \u00fcber Bord werfen zu m\u00fcssen, geh\u00f6rt ebenso dazu, wie es zu verstehen, die Balance zwischen Spitzenzeiten und zu ruhigen Phasen nicht nur auszunutzen, sondern auch zu genie\u00dfen.<br \/>\nDie ersten Wochen des Jahres, die \u00fcblicherweise von Ruhe gekennzeichnet sind und eher dazu dienen, Zeitpunkt und Umfang von Werbema\u00dfnahmen, von freiwilligen Projekten und Pflichtaufgaben in das noch fast jungfr\u00e4uliche Terminbuch einzutragen, verliefen dieses Mal ganz unerwartet. Ein unangek\u00fcndigter Gro\u00dfauftrag, den es zudem in einer unm\u00f6glichen Rekordzeit zu bew\u00e4ltigen galt, riss mich aus der genussvollen und bed\u00e4chtigen Planungsphase unsanft in medias res.<br \/>\nIn solchen F\u00e4llen verschwindet die Welt au\u00dferhalb des Auftrags v\u00f6llig, das Leben steht still, was sich nicht zuletzt \u00e4rgerlicherweise in Form eines immer voller werdenden W\u00e4schekorbs offenbart. Eine Nachtschicht jagt die andere, und wenn der Spuk endlich vorbei ist, liegt alles andere brach.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eine der sch\u00f6nen Seiten des K\u00fcnstlerdaseins ist f\u00fcr mich die Tatsache, dass es mir erm\u00f6glicht, zumindest in weiten Teilen das Gef\u00fchl der Selbstbestimmtheit aufrechtzuerhalten, das ich in den letzten Jahren des Studiums als die f\u00fcr mich einzig richtige Lebensform entdeckt hatte. 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