{"id":1635,"date":"2017-03-14T21:59:50","date_gmt":"2017-03-14T19:59:50","guid":{"rendered":"http:\/\/www.textloft.de\/dasblog\/?p=1635"},"modified":"2023-11-23T22:40:14","modified_gmt":"2023-11-23T20:40:14","slug":"einzigartigkeit-erschaffen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.textloft.de\/dasblog\/einzigartigkeit-erschaffen\/","title":{"rendered":"Einzigartigkeit erschaffen"},"content":{"rendered":"<p>T\u00e4glich habe ich beruflich mit Menschen zu tun, die drei Dinge gemein haben: Sie sind Kleinstunternehmer, sie haben in den fr\u00fchen 90er Jahren als Dienstleister gegr\u00fcndet \u2026 und sie glauben in keiner Weise daran, dass ihr Unternehmen einen Sinn oder einen Wert hat. \u201eIm Grunde machen wir auch nur das, was alle in der Branche machen\u201c ist dabei der Satz, den ich am h\u00e4ufigsten h\u00f6re. Marketing habe f\u00fcr sie daher keinen Nutzen, lohne sich nicht, sie seien viel zu klein und austauschbar; sie seien darauf angewiesen, sich auf Mundpropaganda zu verlassen, sie k\u00f6nnten aktiv keine Neukunden generieren.<\/p>\n<p>Diese desillusionierte Einstellung \u00fcberrascht mich immer wieder und stimmt mich bis zu einem gewissen Grad verst\u00e4ndnislos nachdenklich: Wenn sie derart der Ansicht sind, dass ihre gesch\u00e4ftliche T\u00e4tigkeit dem Markt und somit dem Kunden nichts zu bieten hat, was es nicht schon tausendfach g\u00e4be, und sie ohnehin nie wieder auf den ber\u00fchmten Gr\u00fcnen Zweig kommen k\u00f6nnen\u2026 warum bringen diese Unternehmer die Konsequenz nicht auf und schlie\u00dfen ihre Firma einfach?<br \/>\nDoch bei aller Unlogik ist ihre Denkweise andererseits nachvollziehbar, wenn auch erschreckend engsichtig, eingleisig, phantasielos und nicht mehr zeitgem\u00e4\u00df.<\/p>\n<p>Ihr deprimierender Def\u00e4tismus ist haupts\u00e4chlich auf zwei Faktoren zur\u00fcckzuf\u00fchren.<br \/>\nZum einen haben sie ihr Unternehmen zu einer Zeit ins Leben gerufen, als noch keine Nische notwendig war, um Erfolg zu haben, weil der Wettbewerb schlicht begrenzt und die Nachfrage unersch\u00f6pflich war. Das Internet steckte in den Kindersch\u00fchchen, Solopreneure hatten wenn \u00fcberhaupt nur selten Websites, und die Konkurrenz setzte sich lediglich aus einigen wenigen Eintr\u00e4gen im Telefonbuch zusammen. F\u00fcr den Kunden waren die Vergleichs- und Recherchem\u00f6glichkeiten beschr\u00e4nkt. De facto rekrutierte jedes Unternehmen seine Kundschaft in einem geographisch sehr \u00fcbersichtlichen Umkreis und war eher als lokal zu bezeichnen. Zudem war der Bedarf an Dienstleistungen nach dem \u00dcbergang der EWG in die EG in vielen Branchen auf einmal riesig, und die entsprechenden finanziellen Mittel waren beim Kunden auch reichlich vorhanden. Die Wahrheit ist: Man musste nichts Besonderes haben, bieten, k\u00f6nnen oder wollen, um relativ bequem mitunter viel Geld zu verdienen.<br \/>\nZwanzig bis f\u00fcnfundzwanzig Jahre sp\u00e4ter ist die Realit\u00e4t allerdings eine ganz andere. Die Konkurrenz ist mausklicknah erreichbar und transparent \u2013 weltweit. Wer sich nicht von anderen zu unterscheiden wei\u00df, wer von Anfang an plan- und imagelos lediglich mit dem damals g\u00fcnstigen Strom geschwommen war, ohne sich zu fragen, was morgen sein k\u00f6nnte, wer Produkt und Werbung nicht regelm\u00e4\u00dfig angepasst hat oder nun die Energie und das Interesse nicht aufbringen will, neue Wege zu gehen und sich neu zu positionieren, merkt auch wirtschaftlich sehr schnell, wie entbehrlich er f\u00fcr Markt und Kunde geworden ist. \u00dcberforderung, Frust und Verbitterung sind das Ergebnis.<\/p>\n<p>Neben dieser fragw\u00fcrdigen unternehmerischen Haltung ist das Missverst\u00e4ndnis aber nicht zuletzt in gleichem Ma\u00dfe inhaltlicher Natur.<br \/>\nGerade bei Unternehmern besagter Generation herrscht allgemein eine zwar charmant ehrliche, jedoch schmerzlich naive Auffassung dessen, was eine Nische ist \u2013 und es ist nicht minder erstaunlich: W\u00e4hrend die meisten von ihnen im privaten Bereich der \u00dcberzeugung sind, dass sie mit Massenware einer bekannten schwedischen M\u00f6bel-Marke und einigen Gegenst\u00e4nden einer gro\u00dfen Deko-Accessoires-Kette wirklich ein individuelles, originelles und f\u00fcr sie typisches Zuhause gestalten k\u00f6nnen, das sie widerspiegelt und in dem sie sich auf gelungene Weise ausdr\u00fccken k\u00f6nnen, weigern sie sich zu glauben, dass durchaus zug\u00e4ngliche Mittel dazu beitragen k\u00f6nnen, sich in der Gesch\u00e4ftswelt einen sehr pers\u00f6nlichen und eigenst\u00e4ndigen Platz einzurichten \u2013 wenn man sie nur zu suchen und zu finden wei\u00df.<\/p>\n<p>Selbstverst\u00e4ndlich k\u00f6nnen Nischen im Sinne eines nie da gewesenen Produkts oder einer lang ersehnten Dienstleistung ein Weg sein, sich zu positionieren. Und nat\u00fcrlich handelt es sich hier nur noch um sehr wenige Ausnahmen \u2013 denn, wie die langj\u00e4hrigen Solopreneure es realistischerweise erkannt haben: In vielen Branchen ist alles schon mal da gewesen und bereits vorhanden.<br \/>\nVerkannt wird aber tragischerweise, dass nicht unbedingt das Produkt allein zu einer geldbringenden und langfristig kundenbindenden Aufmerksamkeit f\u00fchren muss.<br \/>\nEinzigartigkeit ist in einer heutzutage immer bunteren, quirligeren und pr\u00e4senteren Welt nicht mehr gegeben, sie muss erschaffen werden.<br \/>\nEinzigartigkeit kann und sollte so viel mehr sein als ein Inhalt.<br \/>\nEinzigartigkeit kann eine Geschichte sein, eine Idee, eine Farbe, eine Denkweise, ein Anspruch, eine Strategie, ein Werbemittel, eine Stimme, eine Pers\u00f6nlichkeit, eine Schrulle, ein Charakterzug, eine Pose und vieles mehr \u2026 Sie zu finden, aufzuzeigen, stimmig, verst\u00e4ndlich, \u00fcberzeugend und konsequent zu vermitteln, zu einem \u201eStempel\u201c zu verkl\u00e4ren, bedeutet Selbstreflexion und Arbeit. Eben in diesem Kontext ist ein k\u00fcnstlerischer Ansatz hilfreich, denn die Kunst ist und bleibt die Suche nach dem Ungew\u00f6hnlichen, dem Unverwechselbaren, der eigenen pr\u00e4gnanten und unter Tausenden einzigartigen Handschrift.<\/p>\n<p>Gerade deshalb ist k\u00fcnstlerische Arbeit in diesen disruptiven Zeiten so wertvoll. Wenn ich auf TextLoft mit einem Kunden aus der Wirtschaft zusammenarbeitet, ist das, was aus der eigenen Pers\u00f6nlichkeit des Unternehmens und dem besonderen Blick des K\u00fcnstlers entsteht, genau die Wiedererkennbarkeit, die als \u201eMarke\u201c bezeichnet wird und die den Unterschied zwischen gesichtsloser Masse und nachhaltigem Erfolg bedeutet.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>T\u00e4glich habe ich beruflich mit Menschen zu tun, die drei Dinge gemein haben: Sie sind Kleinstunternehmer, sie haben in den fr\u00fchen 90er Jahren als Dienstleister gegr\u00fcndet \u2026 und sie glauben in keiner Weise daran, dass ihr Unternehmen einen Sinn oder einen Wert hat. \u201eIm Grunde machen wir auch nur das, was alle in der Branche [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[72,69],"tags":[91,86,89,90,65,83,85,84],"class_list":["post-1635","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-textarbeit","category-textkunst","tag-artketing","tag-kuenstlerische-textarbeit","tag-mailings","tag-marketing","tag-martine-paulauskas","tag-textkunst","tag-textliche-unternehmensidentitaet","tag-textloft"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.textloft.de\/dasblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1635","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.textloft.de\/dasblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.textloft.de\/dasblog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.textloft.de\/dasblog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.textloft.de\/dasblog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1635"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/www.textloft.de\/dasblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1635\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1933,"href":"https:\/\/www.textloft.de\/dasblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1635\/revisions\/1933"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.textloft.de\/dasblog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1635"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.textloft.de\/dasblog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1635"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.textloft.de\/dasblog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1635"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}