{"id":1435,"date":"2015-12-09T21:52:04","date_gmt":"2015-12-09T19:52:04","guid":{"rendered":"http:\/\/www.textloft.de\/dasblog\/?p=1435"},"modified":"2017-02-06T14:20:00","modified_gmt":"2017-02-06T12:20:00","slug":"weihnachtskarten-lust-oder-frust","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.textloft.de\/dasblog\/weihnachtskarten-lust-oder-frust\/","title":{"rendered":"Weihnachtskarten \u2013 Lust oder Frust?"},"content":{"rendered":"<p>Ob als Karte, eCard oder eMail \u2013 Weihnachten ist die Gelegenheit, Verwandten, Freunden, Kollegen, Mitarbeitern, Gesch\u00e4ftspartnern oder Kunden einige Zeilen zukommen zu lassen. Die urspr\u00fcnglich religi\u00f6se Bedeutung des Festes spielt dabei ebenso wie die tats\u00e4chliche Welt- und Glaubensanschauung des Adressaten eine eher untergeordnete Rolle. Der Akt des Schreibens wird hier bestenfalls unreflektiert als Konvention, schlimmstenfalls als notwendiges \u00dcbel hingenommen. Doch was genau ist eine Weihnachtskarte? Und was k\u00f6nnte sie sein?<\/p>\n<p>Privat geht es oft vor allem darum, Verbindungen, die w\u00e4hrend des Jahres in der allgemeinen Hektik des Alltags vernachl\u00e4ssigt oder zumindest wenig intensiv gepflegt werden, zu erneuern und aufrechtzuerhalten, Menschen zu sagen und zu zeigen, dass wir sie nicht vergessen, dass wir an sie denken und ihnen Gutes w\u00fcnschen. Die Motivationen k\u00f6nnen hierbei allerdings rechts unterschiedlich sein: Gewohnheit, aufrichtiges Interesse, Herzlichkeit, schlechtes Gewissen, Pflichtgef\u00fchl, Mitleid, Berechnung, Selbstdarstellung, Zuneigung \u2026 Die Liste lie\u00dfe sich fortf\u00fchren.<br \/>\nIm beruflichen Bereich ist das Ende des Jahres nicht nur rechnerisch die Zeit der Bestandsaufnahmen und Bilanzen. Partnerschaften werden bewertet und neu gewichtet, die Qualit\u00e4t der Zusammenarbeit beurteilt. Ob den Kunden gegen\u00fcber ge\u00e4u\u00dferte Dankbarkeit und die manchmal unverhohlene Hoffnung auf weitere Auftr\u00e4ge tats\u00e4chlich empfunden werden oder l\u00e4ngst zur automatischen Floskel verkommen sind, ist nicht nur von dem Wert der gesch\u00e4ftlichen Beziehung abh\u00e4ngig, sondern spiegelt auch das Selbstverst\u00e4ndnis und Selbstbild eines Unternehmens wider.<\/p>\n<p>In den meisten F\u00e4llen zeigen sich Menschen angesichts der allj\u00e4hrlichen \u00dcbung &#8222;Weihnachtskarte&#8220; hilflos. Sie greifen auf althergebrachte Formulierungen zur\u00fcck, die ihnen die Sicherheit geben, nichts Falsches zu tun, der Etikette zu gen\u00fcgen, nicht unangenehm aufzufallen, und die ihnen erm\u00f6glichen, die Aufgabe schnell und m\u00f6glichst m\u00fchefrei hinter sich zu bringen.<br \/>\nEs ist schade, denn die Weihnachtskarte wird so zur verpassten Chance.<br \/>\nDer Text wird genauso rasch \u00fcberflogen, wie er geschrieben wurde, kaum wahrgenommen, und ber\u00fchrt in seiner f\u00f6rmlichen Steifheit und unpers\u00f6nlichen Phantasielosigkeit nicht wirklich. Er wird als das rezipiert, was er ist: das Produkt einer sinnleeren Konvention, ein gedankenlos hingeworfener Gru\u00df ohne tiefere Bedeutung.<\/p>\n<p>Dabei kann eine Weihnachtskarte zu einem unvergesslichen Erlebnis und einem unersetzlichen Schatz werden, und im beruflichen Bereich eine weit h\u00f6here Wirkung erzielen als jede teure Werbung.<br \/>\nRichtig eingesetzt k\u00f6nnen Worte kostbar wie Brokat, tr\u00f6stlich wie hei\u00dfe Schokolade, strahlend wie Gold, weich wie Federn, zart wie ein Windhauch, frisch wie Wasser, s\u00fc\u00df wie Honig, duftend wie Blumen sein. Das &#8222;Geheimnis&#8220; einer gelungenen, sinnvollen und beachteten Weihnachtskarte besteht in Individualit\u00e4t und Originalit\u00e4t, also darin, die Worte so zu w\u00e4hlen, als seien sie ein Geschenk: Sie sollten wohl\u00fcberlegt sein und zu der Person passen, der sie gelten, sie in ihrer Denkart und Gef\u00fchlswelt ansprechen und f\u00fcr sie einzigartig sein. Sachlich oder \u00fcberschw\u00e4nglich, still oder laut, leicht oder kraftvoll \u2026 eine &#8222;gute&#8220; Weihnachtskarte sagt nichts \u00fcber denjenigen aus, der sie schreibt, jedoch alles \u00fcber denjenigen, der sie liest. Sorgsam ausgesuchte Adjektive und eine differenzierte Tonart sind hier die wichtigsten Instrumente. Inspiration ist weniger relevant als Einf\u00fchlungsverm\u00f6gen \u2013 wie immer, wenn es ums Schreiben geht.<\/p>\n<p>Wer keine Zeit oder Lust hat, sich in die Adressaten seiner Weihnachtskarten oder -mails hineinzudenken, und dennoch unvergessliche Post verschicken m\u00f6chte, muss nicht gleich verzweifeln: Es gibt ja TextLoft!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ob als Karte, eCard oder eMail \u2013 Weihnachten ist die Gelegenheit, Verwandten, Freunden, Kollegen, Mitarbeitern, Gesch\u00e4ftspartnern oder Kunden einige Zeilen zukommen zu lassen. Die urspr\u00fcnglich religi\u00f6se Bedeutung des Festes spielt dabei ebenso wie die tats\u00e4chliche Welt- und Glaubensanschauung des Adressaten eine eher untergeordnete Rolle. Der Akt des Schreibens wird hier bestenfalls unreflektiert als Konvention, schlimmstenfalls [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[72,74],"tags":[5,86,65,63,84],"class_list":["post-1435","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-textarbeit","category-textloft","tag-jahreszeiten","tag-kuenstlerische-textarbeit","tag-martine-paulauskas","tag-schreiben","tag-textloft"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.textloft.de\/dasblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1435","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.textloft.de\/dasblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.textloft.de\/dasblog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.textloft.de\/dasblog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.textloft.de\/dasblog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1435"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.textloft.de\/dasblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1435\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1436,"href":"https:\/\/www.textloft.de\/dasblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1435\/revisions\/1436"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.textloft.de\/dasblog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1435"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.textloft.de\/dasblog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1435"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.textloft.de\/dasblog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1435"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}