{"id":1266,"date":"2014-12-23T11:04:16","date_gmt":"2014-12-23T09:04:16","guid":{"rendered":"http:\/\/www.textloft.de\/dasblog\/?p=1266"},"modified":"2017-02-06T14:23:19","modified_gmt":"2017-02-06T12:23:19","slug":"wie-ein-arzt-ohne-fernseher","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.textloft.de\/dasblog\/wie-ein-arzt-ohne-fernseher\/","title":{"rendered":"Wie ein Arzt ohne Fernseher"},"content":{"rendered":"<p>In diesem Blog bin ich schon des \u00f6fteren auf die Vorurteile und irrigen Vorstellung eingegangen, die viele Menschen mit dem Beruf des Schreibens verbinden. Gleich zwei dieser belustigenden Fehlschl\u00fcsse durfte ich in den letzten Wochen erleben&nbsp;&ndash; beide nicht zum ersten Mal.<\/p>\n<p>Schreiben zu &bdquo;k\u00f6nnen&rdquo;, ist eine F\u00e4higkeit, die ein breites Spektrum an Einfallsreichtum zu befl\u00fcgeln scheint.<br \/>\nEinerseits umweht den Schreibenden der Hauch des Allwissenden und Allm\u00e4chtigen, andererseits ist sein (ja &bdquo;naturgegebenes&rdquo;) K\u00f6nnen ein gutes Argument, um seine Leistung kostenlos in Anspruch zu nehmen. Seine Situation ist dahingehend mit derjenigen eines Arztes vergleichbar, der auf der Stra\u00dfe, im Supermarkt, im Theater oder auf dem Golfplatz gebeten wird, sozusagen zwischen T\u00fcr und Angel Wehwehchen zu kurieren, Symptome zu beurteilen oder sogar Ferndiagnosen zu stellen. Ungeachtet der Themenschwerpunkte wird davon ausgegangen, dass es jemandem, der von Berufs wegen schreibt, nicht schwerfallen kann, alles zu retten, was irgendwie textlicher Art ist, und er &bdquo;mal eben&rdquo; ohne Weiteres eine Diplomarbeit im Fachbereich Physik oder Rechtswissenschaften zu begutachten, zu lektorieren und idealerweise auf m\u00f6gliche Plagiatvorw\u00fcrfe zu pr\u00fcfen vermag. Schlie\u00dflich sind W\u00f6rter W\u00f6rter, und wer damit umgehen kann, so die vorherrschende Meinung, wird das nebenbei auf die Schnelle erledigen k\u00f6nnen&nbsp;&ndash; nat\u00fcrlich kostenlos, denn wenn man Texte liebt, ist es bekanntlich keine Arbeit.<br \/>\nEinen dieser verbl\u00fcffenden Momente erlebte ich neulich bei einer Bekannten neueren Datums, die die Antwort auf ihre Frage nach meinem Beruf mit der Bemerkung quittierte, es sei schade, dass wir uns nicht ein paar Jahre zuvor kennen gelernt h\u00e4tten, ich h\u00e4tte ihr dann bei ihrer Doktorarbeit helfen k\u00f6nnen. Pikant wird die Anekdote erst, wenn man wei\u00df, dass die junge Dame im Fach Medizin promoviert hat.<\/p>\n<p>Mit einem weiteren und ebenfalls beliebten Vorurteil begl\u00fcckte mich kurz darauf eine \u00e4ltere Dame, die spontan, nachdem sie erfahren hatte, womit ich meinen Lebensunterhalt verdiene, als erstes anmerkte: &bdquo;Ach, dann haben Sie ja gar keinen Fernseher!&rdquo; Auch dieses Bild scheint in den K\u00f6pfen fest verankert zu sein. Menschen des Textes und infolgedessen des Buches k\u00f6nnen sich unm\u00f6glich f\u00fcr triviale Dinge interessieren. Sie beziehen ihre Informationen ausschlie\u00dflich aus den renommiertesten Zeitungen&nbsp;&ndash; oder aber sie nehmen von der bodenst\u00e4ndigen Wirklichkeit um sich herum keinerlei Kenntnis&nbsp;&ndash; so das Klischee. Im Falle dieser konkreten Geschichte habe ich auf eine ausf\u00fchrliche Aufkl\u00e4rung verzichtet, obwohl die Bemerkung mich sehr schmunzeln lie\u00df. Die Dame w\u00e4re sicherlich sehr verunsichert gewesen, wenn ich ihr er\u00f6ffnet h\u00e4tte, dass ich nicht nur einen Fernseher besitze, sondern bei weitem nicht nur Kultursendungen schaue, dass das Fernsehen f\u00fcr Schreibende sogar ein wichtiges Arbeitsinstrument sein kann, und dass ich oft vor dem Fernseher schreibe.<\/p>\n<p>Am\u00fcsant und kennzeichnend ist die Tatsache, dass sich beide Vorstellungen nicht widersprechen, sondern vielmehr erg\u00e4nzen: \u00dcbersch\u00e4tzung und v\u00f6llig unrealistische Verherrlichung bedingen geradezu die Erwartung einer st\u00e4ndigen und kostenlosen Einsatzbereitschaft&nbsp;&ndash; wie eben bei den &bdquo;G\u00f6ttern in Wei\u00df&rdquo;. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In diesem Blog bin ich schon des \u00f6fteren auf die Vorurteile und irrigen Vorstellung eingegangen, die viele Menschen mit dem Beruf des Schreibens verbinden. 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