{"id":1229,"date":"2014-12-07T13:22:39","date_gmt":"2014-12-07T11:22:39","guid":{"rendered":"http:\/\/www.textloft.de\/dasblog\/?p=1229"},"modified":"2017-02-06T14:23:57","modified_gmt":"2017-02-06T12:23:57","slug":"home-office-nachbarschaft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.textloft.de\/dasblog\/home-office-nachbarschaft\/","title":{"rendered":"Home Office &#038; Nachbarschaft"},"content":{"rendered":"<p>W\u00e4hrend der Begriff des &bdquo;Home Office&rdquo; mittlerweile in aller Munde ist, ist die Arbeit in den eigenen vier W\u00e4nden paradoxerweise noch immer alles andere als selbstverst\u00e4ndlich und wird nach wie vor als Kuriosum betrachtet&nbsp;&ndash; nicht zuletzt von Nachbarn.<\/p>\n<p>Bei der \u00e4lteren Generation sind Argwohn und Verdacht die ersten \u00fcblichen Reaktionen. Wer den ganzen Tag zu Hause ist, kann kein anst\u00e4ndiger Mensch sein. Das Missverst\u00e4ndnis kann allerdings und meist dank unverhohlener bis bohrender Neugier im allgemeinen schnell aufgekl\u00e4rt werden, und gerade dann erweisen sich die Klischees, die sich um den Beruf des Schreibens ranken, als ungeheuer hilfreich. Als &bdquo;Wortvirtuose&rdquo;, der in der Tat in der Lage ist, mit dieser schweren Kunst seinen Lebensunterhalt zu bestreiten, genie\u00dft man von da an sogar ein gewisses Ma\u00df an Anerkennung, was ein wenig zum Schmunzeln verf\u00fchrt.<br \/>\nJ\u00fcngere Menschen kennen solche Vorurteile zwar nicht mehr, aber auch f\u00fcr sie ist die Situation offenbar nicht allt\u00e4glich und sie wird unterschiedlich bewertet. Die Palette erstreckt sich von Neid&nbsp;&ndash; Geld verdienen zu k\u00f6nnen, ohne bei Regen und Schnee das Haus verlassen zu m\u00fcssen, erscheint als \u00e4u\u00dferst erstrebenswert&nbsp;&ndash; bis Mitleid&nbsp;&ndash; ein Leben ohne den t\u00e4glichen Umgang mit den Kollegen an der Kaffeemaschine k\u00f6nnen sich viele \u00fcberhaupt nicht vorstellen.<\/p>\n<p>Unabh\u00e4ngig von der Akzeptanz oder Rezeption dieser f\u00fcr die meisten noch immer ungew\u00f6hnlichen Arbeitsbedingungen ist das Home Office in Wirklichkeit eine sehr fruchtbare Grundlage f\u00fcr angenehme und interessante nachbarschaftliche Beziehungen.<br \/>\nIn unserem Haus, in dem die Mieter sehr h\u00e4ufig wechseln, haben wir schon eine Reihe spannender Bekanntschaften machen d\u00fcrfen&nbsp;&ndash; darunter eine sympathische und entwaffnend chaotische junge Familie, eine alleinstehende Dame mit Hang zur \u00f6ffentlichen Darstellung ihres Sexuallebens, verirrte Nordlichter, heimwehgeplagte Schwaben, trinkfreudige Studenten und viele P\u00e4rchen aller Art&nbsp;&hellip; Mit einigen ehemaligen Nachbarn pflegen wir heute noch, lange nach ihrem Auszug, Kontakt.<\/p>\n<p>Tats\u00e4chlich wird unser Home Office von unseren Nachbarn als Gl\u00fccksfall betrachtet, und sie genie\u00dfen es offenkundig: Kein Paket muss an den Absender zur\u00fcckgeschickt oder vom Postamt abgeholt werden; w\u00e4hrend der Urlaubszeit ist jemand da, der den Briefkasten regelm\u00e4\u00dfig leert, die Blumen gie\u00dft oder die Katzen f\u00fcttert; niemand muss an einem Arbeitstag zu Hause bleiben, weil Handwerker oder Schornsteinfeger ihren Besuch angek\u00fcndigt haben.<br \/>\nSo haben wir unsererseits die abwegigsten Geschichten erlebt: Wir wurden einmal vom Flugzeug aus angerufen und gebeten, eine vergessene Kaffeemaschine auszuschalten; ein anderes Mal mussten wir Briefe mit langersehnten Pr\u00fcfungsergebnissen \u00f6ffnen und am Telefon vorlesen.<\/p>\n<p>Auch wenn es nicht immer einfach ist, so unfreiwillig in das Privatleben Anderer eindringen zu m\u00fcssen, so hat dieses besondere nachbarschaftliche Verh\u00e4ltnis einen sehr sch\u00f6nen Aspekt. Ob wir eine ungeduldig erwartete Bestellung, ein bunt dekoriertes \u00dcberraschungsp\u00e4ckchen, einen abgegebenen Blumenstrau\u00df \u00fcberreichen oder einen f\u00fcr einen Tag hinterlegten Schl\u00fcssel zur\u00fcckgeben&nbsp;&ndash; wir bekommen jedes Mal, wenn wir die T\u00fcr \u00f6ffnen, das Geschenk eines aufrichtigen L\u00e4chelns. Manchmal &#8211; so gestern am Nikolaustag &#8211; ist auch ein s\u00fc\u00dfes Dankesch\u00f6n dabei.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>W\u00e4hrend der Begriff des &bdquo;Home Office&rdquo; mittlerweile in aller Munde ist, ist die Arbeit in den eigenen vier W\u00e4nden paradoxerweise noch immer alles andere als selbstverst\u00e4ndlich und wird nach wie vor als Kuriosum betrachtet&nbsp;&ndash; nicht zuletzt von Nachbarn. Bei der \u00e4lteren Generation sind Argwohn und Verdacht die ersten \u00fcblichen Reaktionen. 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