{"id":1089,"date":"2014-09-07T21:45:54","date_gmt":"2014-09-07T19:45:54","guid":{"rendered":"http:\/\/www.textloft.de\/dasblog\/?p=1089"},"modified":"2017-02-06T14:25:14","modified_gmt":"2017-02-06T12:25:14","slug":"der-kreative-und-das-pflichtbewusstsein","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.textloft.de\/dasblog\/der-kreative-und-das-pflichtbewusstsein\/","title":{"rendered":"Der Kreative und das Pflichtbewusstsein"},"content":{"rendered":"<p>Zu meinen ausgepr\u00e4gten Charaktereigenschaften geh\u00f6rt ein au\u00dfergew\u00f6hnliches Ma\u00df an Selbstdisziplin und ein sehr hartn\u00e4ckiges Pflichtbewusstsein. W\u00e4hrend ich Erstere als meine wichtigste Waffe empfinde und dankbar daf\u00fcr bin, dass sie mir in sehr schweren und dunklen Zeiten immer geholfen hat, trotz gesundheitlicher Behinderung unbeirrt meinen Weg zu gehen, ist Zweiteres eher kontraproduktiv. Zugegeben: Ich hatte nie Probleme, einen Abgabetermin einzuhalten und bin meistens reichlich zu fr\u00fch mit einem Auftrag fertig, aber von dieser praktischen Seite mal abgesehen, muss ich in dieser Hinsicht jeden Tag aufs Neue lernen, gegen meine eigene Natur zu k\u00e4mpfen. Schlie\u00dflich gibt es f\u00fcr Selbst\u00e4ndige immer etwas zu tun. Sind Auftr\u00e4ge und Buchhaltung erledigt, geht die Suche nach neuen Auftraggebern weiter. Ich bin zwar alles andere als ein Workaholic, aber solange mir mein Kontostand keine absolute Sicherheit f\u00fcr mindestens ein Jahr signalisiert, plagt mich das schlechte Gewissen, wenn ich auch nur daran denke, mir ein paar Stunden freizunehmen. Rekreative und regenerierende T\u00e4tigkeiten wie Malen, Lesen oder Sozialleben bleiben auf der Strecke, und ich kann mich auch nicht mit der Ausrede \u00fcberlisten, sie w\u00fcrden der weiteren Arbeitsf\u00e4higkeit dienen. Das schlechte Gewissen ist lauter als die Vernunft.<br \/>\nEs war in fr\u00fcheren Zeiten anders&nbsp; &ndash; nicht zuletzt, weil mir sogar Kunden vor Augen f\u00fchrten, dass ich zu viel arbeite, und es nicht normal sei, dass ich Tag und Nacht am Schreibtisch zu erreichen sei. Damals war es auch kein Problem, einen Arzt- oder Fris\u00f6rtermin oder einen Einkaufsbummel mitten am Nachmittag einzurichten. Diese Zeiten sind vorbei. Beg\u00fcnstigt durch technische Mittel, deren Nutzen l\u00e4ngst das richtig Ma\u00df verloren hat, hat sich Leistungsethik immer st\u00e4rker in unsere Gesellschaft eingeschlichen. Dieselben Kunden, die mich einst regelrecht dazu aufforderten, frische Luft schnappen zu gehen, sind heute ungehalten, wenn ihre eMail wegen eines kleinen Abstechers \u00fcber die Toilette nicht klickwendend beantwortet wird. Die schlechte Presse, der Freie und K\u00fcnstler immer mehr und immer aggressiver ausgesetzt werden, tut ihr \u00dcbriges. Ist man &#8222;von Haus aus&#8220; ohnehin f\u00fcr eine strenge Arbeitsmoral anf\u00e4llig, wird es heikel. Das Gef\u00fchl, immer zu wenig zu tun, wird zum Dauerzustand.<br \/>\nF\u00fcr Trost und gute Laune sorgte ganz unverhofft ein zuf\u00e4llig entdecktes Interview mit dem Comiczeichner Giorgio Cavazzano, der auf die Frage nach seinem Tagesablauf ausf\u00fchrlich erkl\u00e4rte, wie er konsequent die Pausen einh\u00e4lt, die sowohl zur Erhaltung seiner kreativen und physischen Leistungsf\u00e4higkeit als auch eines ausgeglichenen Sozial&#8209; und Privatlebens n\u00f6tig sind. Seine Arbeitszeiten von 9 bis 13 Uhr und von 15 bis 17 Uhr bieten Raum f\u00fcr Golfpartien und Treffen mit Freunden am Mittag, und der nicht verhandelbare Feierabend erm\u00f6glicht ihm, sich seiner Familie zu widmen.<br \/>\nTats\u00e4chlich entsprechen diese sechs Stunden sehr konzentrierter Kreativit\u00e4t ziemlich genau dem, was meiner Erfahrung nach als gesundheitlich w\u00fcnschenswert betrachtet werden kann. Hier darf nicht vergessen werden, dass das selbstvergessene, ablenkungsfreie Arbeiten eines Kreativen nicht mit einer normalen B\u00fcrot\u00e4tigkeit verglichen werden kann und darf. Sie ist wesentlich intensiver und dadurch geistig und k\u00f6rperlich deutlich anstrengender. Es ist etwa so, als w\u00fcrde man Leistungssport auf h\u00f6chstem Niveau betreiben oder aber hobbym\u00e4\u00dfig joggen.<br \/>\nAuch wenn es mir im Gegensatz zu <a href=\"https:\/\/it-it.facebook.com\/pages\/Giorgio-Cavazzano\/313936218650732\">Herrn Cavazzano<\/a> nicht so bald gelingen wird, mich ab und zu zu einer freien Stunde zu \u00fcberreden oder meinen Auftraggebern gegen\u00fcber einen erstrebenswerten Rhythmus durchzusetzen, so hat mich doch dieser Artikel best\u00e4tigt, getr\u00f6stet, best\u00e4rkt und mir auf erfrischende Weise Mut gemacht. So m\u00fcsste es wirklich sein&nbsp; &ndash; und ich halte mich zur Zeit ein wenig an seinen Worten fest.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zu meinen ausgepr\u00e4gten Charaktereigenschaften geh\u00f6rt ein au\u00dfergew\u00f6hnliches Ma\u00df an Selbstdisziplin und ein sehr hartn\u00e4ckiges Pflichtbewusstsein. 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