{"id":1073,"date":"2013-08-19T21:44:08","date_gmt":"2013-08-19T19:44:08","guid":{"rendered":"http:\/\/www.textloft.de\/dasblog\/?p=1073"},"modified":"2023-12-17T12:26:17","modified_gmt":"2023-12-17T10:26:17","slug":"die-sache-mit-den-bildchen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.textloft.de\/dasblog\/die-sache-mit-den-bildchen\/","title":{"rendered":"Die Sache mit den Bildchen"},"content":{"rendered":"<p>Bilder beherrschen in unserer Zeit die private und berufliche Kommunikation mehr als je zuvor. Lediglich die Vorgeschichte k\u00f6nnte hier als Ausnahme gelten, m\u00fcssten Wandmalereien nicht als Vorstufe zur Schrift verstanden werden. Anstatt Briefe werden Fotos verschickt, es wird mehr auf Pinterest oder Instagram gepostet als auf Twitter, telefoniert wird \u00fcber Skype, gechattet wird nicht mehr an der Tastatur, sondern mit Webcam, ganze Lebensgeschichten werden nicht mehr in Tageb\u00fcchern, sondern auf YouTube festgehalten, und Werbeslogans werden bei weitem nicht so intensiv rezipiert wie die Filme, die sie untermauern. Rein visuelle Elemente sind so selbstverst\u00e4ndlich geworden, dass sie als eine Art Bringschuld betrachtet werden. So fragte mich eine \u00e4ltere und langj\u00e4hrige Kundin k\u00fcrzlich, warum im ganzen Internet keine Fotos von mir zu finden seien.<\/p>\n<p>In der Tat ist dies eine ganz absichtliche Vorgehensweise &#8211; geradezu eine Bekenntniserkl\u00e4rung.<br \/>\nDas TextLoft ist ein virtueller und somit gesch\u00fctzter Raum, ein Projekt, und soll virtuell bleiben. Im Mittelpunkt sollen weder ein konkreter Ort noch eine konkrete Person, sondern die Texte stehen. Sie sollen f\u00fcr sich sprechen, Assoziationen und Vorstellungen hervorrufen, sie sollen unbeeinflusst von Ablenkungen gelesen, beurteilt oder bestenfalls genossen werden. Wer sie schreibt oder wo, soll unwichtig sein und bleiben. Dies geh\u00f6rt ebenso zum Konzept von TextLoft wie der Name selbst\u00a0&#8211; und deshalb ist sowohl von TextLoft als auch vom TextLoft die Rede.<br \/>\nSicherlich mag es Interessenten geben, die sich im Zweifelsfall deshalb gegen TextLoft entscheiden. Ihr Bed\u00fcrfnis, zu wissen und zu sehen, mit wem sie es zu tun haben, ist durchaus legitim, aber wenn sie nicht in der Lage sind, die Antwort auf diese Frage in meinen Texten zu finden, haben sie nicht verstanden, was TextLoft ist, und haben hier auch nichts zu suchen. Letztlich w\u00fcrde eine Zusammenarbeit nicht funktionieren, denn sie setzen die falschen Priorit\u00e4ten. Zu den gr\u00f6\u00dften Komplimenten, die ich je \u00fcber meine Arbeit bekommen habe, geh\u00f6rt der Satz &#8222;Wenn ich nicht w\u00fcsste, ob du ein Mann oder eine Frau bist &#8211; an deinen Texten w\u00fcrde ich es nicht merken.&#8220; So soll es sein: Wer meine Arbeiten liest, soll nicht an mich denken oder \u00fcber mich nachdenken, sondern idealerweise nur den Text genie\u00dfen.<br \/>\nManche werden diese Geisteshaltung sicherlich als ewig gestrig, wirtschaftlich unklug und menschlich arrogant betrachten. Es steht ihnen zu. In Wirklichkeit geht es um Selbsttreue und Selbstachtung\u00a0&#8211; schlichtweg um Grenzen. Bei allem Bestreben, die eigene Existenz zu sichern, muss es erlaubt sein, zwischen Kundenfreundlichkeit einerseits und sinnloser Prostitution und Selbstverleugnung andererseits zu unterscheiden. TextLoft wurde nicht gegr\u00fcndet, um es jedem und allen recht zu machen, sondern um eine bestimmte Auffassung von Text auszuleben und durchzusetzen. Wird diese Linie verlassen, die das Markenzeichen von TextLoft ist, wird das ganze Projekt ad absurdum gef\u00fchrt, und der kaufm\u00e4nnische Erfolg k\u00e4me in diesem Fall einem Scheitern gleich.<br \/>\nEs geht aber auch um Seriosit\u00e4t. Die systematische Einhaltung des TextLoft-Gedankens soll daf\u00fcr sorgen, dass Erwartungen und Produkt im Einklang stehen. Eine Pizzeria, die Currywurst anbietet, mag mehr Umsatz erreichen, aber sie ist kaum vertrauensw\u00fcrdig und als Pizzeria kaum ernst zu nehmen. Ein seri\u00f6ser Gast, der ein solches Lokal betritt, w\u00fcrde sich zurecht verunsichert und schlecht aufgehoben f\u00fchlen. Es ist in der Textwelt nicht anders als in der Gastronomie: Wer hierherkommt, hat ein Recht darauf, zu wissen, was er bekommt.<\/p>\n<p>Herrschen im TextLoft also ikonophober Starrsinn und Rechthaberei? Nein. Wer wissen will, mit wem er es zu tun hat, findet seit einiger Zeit unter <a href=\"https:\/\/www.textloft.de\/ueber\/\"><strong>\u00dcBER<\/strong><\/a>\u00a0einen Kurzlebenslauf. Es ist ein akzeptabler Kompromiss: Wenn auch ein Werdegang nicht das geringste dar\u00fcber sagt, ob und wie jemand schreiben kann, so ist zumindest eine textliche Antwort auf die Bildchenfrage gegeben.<\/p>\n<p class=\"important\"><strong>NACHTRAG:<\/strong> Wer meinen Namen im Internet sucht, bekommt je nach Suchmaschine tats\u00e4chlich Bilder von unterschiedlichen Personen zu sehen. Teilweise handelt es sich um Kunden, f\u00fcr die ich geschrieben habe und die auf ihrer mit mir verlinkten Website ein Foto von sich oder eines Mitarbeiters gepostet haben, teilweise schlicht um einen Fehler der Suchmaschinen, die Inhalte f\u00e4lschlicherweise miteinander verkn\u00fcpfen. Ich kann es leider nicht unterbinden oder Einfluss darauf nehmen. Es steht aber fest: Es ist KEIN Bild von mir im Internet zu sehen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bilder beherrschen in unserer Zeit die private und berufliche Kommunikation mehr als je zuvor. Lediglich die Vorgeschichte k\u00f6nnte hier als Ausnahme gelten, m\u00fcssten Wandmalereien nicht als Vorstufe zur Schrift verstanden werden. 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