{"id":1070,"date":"2014-06-26T12:41:46","date_gmt":"2014-06-26T10:41:46","guid":{"rendered":"http:\/\/www.textloft.de\/dasblog\/?p=1070"},"modified":"2023-12-03T15:18:08","modified_gmt":"2023-12-03T13:18:08","slug":"zuruck-in-den-alltag","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.textloft.de\/dasblog\/zuruck-in-den-alltag\/","title":{"rendered":"Zur\u00fcck in den Alltag"},"content":{"rendered":"<p>Erstreckt sich eine Auftragsarbeit \u00fcber einen l\u00e4ngeren Zeitraum und erfordert sie besondere Ausdauer und intensive Konzentration, geh\u00f6rt es zu den schwierigeren Aufgaben, nach ihrem Abschluss physiologisch und gedanklich ins Leben zur\u00fcckzufinden.<br \/>\nNachtschichten, vernachl\u00e4ssigte Mahlzeiten und v\u00f6llige Abgeschiedenheit haben den Biorhythmus durcheinandergebracht, und es entsteht eine Art &bdquo;Jetlag&ldquo;. Bis der K\u00f6rper wieder funktioniert, wie er es sollte, kann es durchaus einige Tage dauern. Die vielgepriesene &bdquo;M\u00fctze voll Schlaf&ldquo; gen\u00fcgt hier nicht. Eine erh\u00f6hte Fl\u00fcssigkeits- und Vitaminzufuhr ist hilfreich&nbsp;&ndash; und sei es haupts\u00e4chlich subjektiv.<br \/>\nVor allem aber muss der Geist zur Ruhe kommen, und es muss wieder an die Wirklichkeit angekn\u00fcpft werden. Ersteres kann sich manchmal von allein ergeben: Ist man vollkommen ersch\u00f6pft, f\u00e4llt es nicht schwer, Abstand zwischen sich, den Texten und dem Kunden zu schaffen. Der Weg zur\u00fcck zur Normalit\u00e4t kann auch \u00fcber bodenst\u00e4ndige T\u00e4tigkeiten f\u00fchren: Putzen, Aufr\u00e4umen und zu beseitigende W\u00e4scheberge haben eine recht heilsame Wirkung. Diese kleinen Pflichten sind zwar ein befriedigender und positiver Ausgleich, der das sch\u00f6ne Gef\u00fchl eines Neuanfangs vermittelt, allerdings sind sie bei weitem nicht hinreichend, um wieder Fu\u00df im &bdquo;echten Leben&ldquo; zu fassen.<br \/>\nEinige Dinge m\u00fcssen regelrecht neu erlernt werden. Hierzu geh\u00f6rt die Wahrnehmung der &bdquo;Welt da drau\u00dfen&ldquo;, deren Existenz \u00fcber Tage oder Wochen weniger verleugnet denn g\u00e4nzlich vergessen wurde. Es gilt, Nachrichten nachzulesen, sich wieder auf den neuesten Stand dessen zu bringen, was inzwischen passiert ist. Es ist nicht immer ganz leicht, die enge Zelle des Auftrags, die weder Licht noch T\u00f6ne hereinlie\u00df, zu verlassen und sich vor Augen zu f\u00fchren, dass andere in dieser Zeit, die einem selbst wie ein milchiger Raum jenseits aller Dimensionen vorkommt, tats\u00e4chlich unver\u00e4ndert ihren \u00fcblichen Besch\u00e4ftigungen nachgegangen sind.<br \/>\nParadoxerweise verl\u00e4ngern solche Arbeitsphasen durch ihre Wirklichkeitsferne die Zeit, verformen sie, ziehen sie ins Unendliche auseinander und k\u00f6nnen dadurch eine Art Entfremdung selbst zu nahestehenden Menschen schaffen. Wie nach einer langen Krankheit, w\u00e4hrend derer alles still steht, f\u00e4llt die R\u00fcckkehr zur Selbstverst\u00e4ndlichkeit, zu den einfachsten Gewohnheiten mitunter schwer, erfordert Geduld und Ma\u00df. Die wiedergewonnene Selbstbestimmtheit und die Erleichterung sind zun\u00e4chst kaum zu genie\u00dfen&nbsp;&ndash; zu kompromisslos und brutal wurden K\u00f6rper und Geist traktiert, zu irreal scheint in diesen ersten Stunden das Ende der Kasteiung.<br \/>\nW\u00e4hrend dieses \u00dcbergangs, in dem nichts mehr so wichtig wirkt, wie Erholung und Freiheit, legt sich jeder Sonnenstrahl, der \u00fcberraschend durchs Fenster tritt, pflegend auf das geschundene Hirn, jedes Vogelgezwitscher f\u00fchrt ein wenig zur\u00fcck. Zu dem, was sich so Leben nennt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Erstreckt sich eine Auftragsarbeit \u00fcber einen l\u00e4ngeren Zeitraum und erfordert sie besondere Ausdauer und intensive Konzentration, geh\u00f6rt es zu den schwierigeren Aufgaben, nach ihrem Abschluss physiologisch und gedanklich ins Leben zur\u00fcckzufinden. 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