{"id":1058,"date":"2014-05-06T12:48:03","date_gmt":"2014-05-06T10:48:03","guid":{"rendered":"http:\/\/www.textloft.de\/dasblog\/?p=1058"},"modified":"2017-02-06T14:25:54","modified_gmt":"2017-02-06T12:25:54","slug":"faq-fur-schreibende","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.textloft.de\/dasblog\/faq-fur-schreibende\/","title":{"rendered":"FAQ f\u00fcr Schreibende"},"content":{"rendered":"<p>Hat man erst einmal erz\u00e4hlt &#8211; <a href=\"https:\/\/www.textloft.de\/dasblog\/der-erste-schritt\/\">wenn auch ungern<\/a> -, dass man schreibt, gibt es eine Reihe von Fragen, die mit schlafwandlersicher Sicherheit lawinenartig auf einen zukommen: \u201eSeit wann schreibst Du denn?\u201c \u201eWie kamst Du zum Schreiben?\u201c und \u201eUnd wieso kannst Du denn so gut schreiben?\u201c.<br \/>\nDiese FAQ kommen vorzugsweise gerade dann ans Licht, wenn man sie nicht gebrauchen kann: auf einer Party; wenn der Verwalter einen neuen Nachbarn vorstellt und sich beflei\u00dfigt f\u00fchlt, gleich darauf hinzuweisen, was die anderen Mieter im Haus beruflich denn so anstellen; wenn Menschen aus dem Viertel, die man zum Beispiel zuf\u00e4llig bei der Gartenarbeit kennengelernt hat und mit denen man ab und zu Small Talk pflegt, irgendwann auff\u00e4llt, dass man den lieben langen Tag zu Hause verbringt und nicht ersichtlich ist, womit man sein Geld verdient \u2026 Es gibt so viele Gelegenheiten dazu. Zu viele.<br \/>\nSelbst dann, wenn die Situation bekannt und bereits erwartet wird, ist sie nicht ohne Weiteres zu meistern. Der Umstand, in den unpassendsten Momenten urpl\u00f6tzlich unter gaffenden bis bewundernden Blicken im Mittelpunkt stehen zu m\u00fcssen, ist nur ein Aspekt dieser Peinlichkeit. Viel schlimmer ist die Tatsache, dass es darauf keine Antworten gibt &#8211;\u00a0 genauer gesagt keine, die als solche empfunden und akzeptiert w\u00fcrden.<\/p>\n<p>Erfahrungsgem\u00e4\u00df haben sich im ersten Fall \u201eSchon immer\u201c oder \u201eSoweit ich zur\u00fcckdenken kann\u201c als f\u00fcr das Gegen\u00fcber wenig befriedigend erwiesen. Die n\u00e4chste Frage folgt auf dem Fu\u00dfe: \u201eWas meinst Du mit: \u201aschon immer\u2019?\u201c Dann wird es heikel. Erwartet derjenige etwa wirklich Einzelheiten? Die ganze Geschichte in aller Ausf\u00fchrlichkeit? Soll ich vielleicht, damit er Ruhe gibt, erz\u00e4hlen, dass ich schon als Kleinkind B\u00fccher f\u00fcr meine Puppen schrieb und es f\u00fcr meinen Schreibdrang nie genug Papier im Haus geben konnte, und damit mitten auf einer Hochzeit, Beerdigung oder einer Geburtstagsfeier, die nicht einmal meine ist, eine Aufmerksamkeit, die ich auf keinen Fall will, auf mich ziehen? Es ist eher nicht meine Art, und der Satz \u201eIch habe schon als Kind geschrieben\u201c ist in den meisten F\u00e4llen nachweislich kein kluges Ausweichman\u00f6ver, denn ein bohrendes \u201eAch ja? Was denn? Und wie alt warst Du da?\u201c l\u00e4sst nie lange auf sich warten. Das selbstironische und abwinkende \u201eAch, schon ewig\u201c hingegen vermag es zwar hie und da, eine gewisse abwehrende Haltung und Distanz zu vermitteln, aber nur bedingt, und dies ist nicht von langer Dauer. Ist der Zeitpunkt schon nicht zu ermitteln, dann muss ja wohl zumindest das \u201ewie und warum\u201c herauszubekommen sein. Womit die zweite h\u00e4ufig gestellte Frage erreicht ist.<\/p>\n<p>Der Erfolg einer ehrlichen Antwort h\u00e4ngt hier stark vom Bildungsgrad und Feingef\u00fchl des jeweiligen Gespr\u00e4chspartners ab. Ein ernstgemeintes \u201eAch, ich kann gar nicht anders\u201c setzt manchmal durchaus den ersehnten Schlusspunkt &#8211; sei es, weil derjenige aufgrund seines akademischen Hintergrunds in der Tat nachvollziehen kann, was gemeint ist, sei es, weil er mich dann f\u00fcr eine kauzige und \u00fcberhebliche Verr\u00fcckte h\u00e4lt und um sein Leben f\u00fcrchtend das Weite sucht. Schlimmstenfalls aber geht das Verh\u00f6r unbeirrt weiter, und minutenlang schaue ich in leere, fragende Augen, bis endlich eingesehen wird, dass von mir wohl keine vern\u00fcnftige, f\u00fcr alle verst\u00e4ndliche und als g\u00fcltig zu betrachtende Erkl\u00e4rung zu erwarten ist und ich vermutlich der langweiligste oder exzentrischste Mensch &#8211; was im Grunde ja das Gleiche ist &#8211; auf der Veranstaltung bin. Hilfreicher ist die achselzuckende Variante, es habe sich so ergeben, nach der man nur noch als \u00f6de, aber zumindest nicht als seltsam betrachtet wird.<\/p>\n<p>Bei der dritten FAQ ist es ein wenig anders. Kennt derjenige meine Arbeiten nicht, ist das Thema schnell ausger\u00e4umt: Mit der von einem verschmitzten bis charmanten L\u00e4cheln unterstrichenen Bemerkung, ich k\u00f6nne es eigentlich gar nicht so gut, t\u00e4te es aber trotzdem, ist die Sache in der Regel erledigt.<br \/>\nBezieht sich die Frage konkret auf meine Texte, wird es wieder recht unangenehm. Ganz gleich, f\u00fcr welchen Weg ich mich entscheide &#8211; er ist der falsche. Sage ich, dass ich schon immer so schreiben konnte und nicht wei\u00df, warum, umgibt mich die unangenehme Aura des \u00fcberheblichen Genies, dem alles zufliegt und das unfair spielt, weil die Natur ihm etwas gegeben hat, was andere nicht haben k\u00f6nnen. Und das mag niemand. Erz\u00e4hle ich, dass ich schon als Kind Tausende von B\u00fcchern gelesen habe und ich darin einen Zusammenhang sehe, geh\u00f6re ich in die Schublade der rechthaberischen Streber, der obendrein noch etwas verschweigt, denn so einfach kann die L\u00f6sung ja nicht sein. Das mag auch keiner. Erkl\u00e4re ich, dass ich Dinge schlichtweg gern beobachte und festhalte, so wie andere eben eine Kamera z\u00fccken, und ich deswegen das dazu n\u00f6tige Werkzeug immer wieder und jeden Tag zu verbessern versuche, klingt es abgehoben und reichlich verschroben. Als Begr\u00fcndung kommt es nicht durch und auch nicht gut an. Erz\u00e4hle ich, dass Schreiben nichts als Handwerk ist, bin ich ein l\u00e4stiger Oberlehrer oder wahlweise falsch bescheiden. Das ist ebenso wenig vorteilhaft.<\/p>\n<p>Ob mich diese FAQ deutlich in Verlegenheit bringen oder ich sie lediglich als l\u00e4stig empfinde, hat haupts\u00e4chlich mit Tagesform und Laune zu tun. Im Nachhinein muss ich nicht selten schmunzeln und frage mich, ob auch Kunstmaler oder -fotografen \u00e4hnliche auch erdulden m\u00fcssen. Interessanterweise fragt so gut wie niemand, was ich eigentlich so schreibe \u2026<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Hat man erst einmal erz\u00e4hlt &#8211; wenn auch ungern -, dass man schreibt, gibt es eine Reihe von Fragen, die mit schlafwandlersicher Sicherheit lawinenartig auf einen zukommen: \u201eSeit wann schreibst Du denn?\u201c \u201eWie kamst Du zum Schreiben?\u201c und \u201eUnd wieso kannst Du denn so gut schreiben?\u201c. 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