{"id":1054,"date":"2014-04-29T15:00:35","date_gmt":"2014-04-29T13:00:35","guid":{"rendered":"http:\/\/www.textloft.de\/dasblog\/?p=1054"},"modified":"2017-02-06T14:25:59","modified_gmt":"2017-02-06T12:25:59","slug":"im-rhythmus-der-landschaft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.textloft.de\/dasblog\/im-rhythmus-der-landschaft\/","title":{"rendered":"Im Rhythmus der Landschaft"},"content":{"rendered":"<p>Selbstwahrnehmung und Fremdwahrnehmung k\u00f6nnen bekanntlich recht unterschiedlich ausfallen. Letztere kann Korrektiv sein&nbsp;\u2026 oder einfach auf gegens\u00e4tzlichen Vorlieben beruhen.<\/p>\n<p>Aus meiner Sicht pl\u00e4tschert mein Leben gleichm\u00e4\u00dfig dahin. Es ist nicht besonders aufregend, vielleicht sogar etwas eint\u00f6nig. Dass ich mit dieser Meinung relativ alleine da stehe, vergesse ich meistens, und erst Fragen oder Bemerkungen in meinem Umfeld erinnern mich daran, dass das, was ich als unspektakul\u00e4ren Alltag und&nbsp;&#8211; von den kleinen und gro\u00dfen Katastrophen, die jeden mal heimsuchen k\u00f6nnen, abgesehen&nbsp;&#8211; ereignislose Normalit\u00e4t bezeichnen w\u00fcrde, f\u00fcr andere nichts als Chaos und unzumutbare Achterbahnfahrten ist.<br \/>\nTats\u00e4chlich gleicht ein Schreiberleben in vielerlei Hinsicht einer Autofahrt auf Landstra\u00dfen durch die Alpen im Hochsommer. Anstrengende, endlos scheinende Streckenabschnitte zwischen unerbittlich \u00fcberhitzten Steinw\u00e4nden, die jeden Lufthauch verschlingen, fordern bei aller Sch\u00f6nheit h\u00f6chste Wachsamkeit und Konzentration. Gerade dann aber, wenn die Ersch\u00f6pfung greifbar wird, erbarmt sich die Landschaft. Die haaarnadelartigen Kurven werden seltener, die Stra\u00dfe nach und nach breiter, der Asphalt glatter, die Atmung ruhiger. Malerische Ortsdurchfahrten vermitteln Sicherheit und Geselligkeit. K\u00f6rper und Geist entspannen und erholen sich, tanken Kraft vor dem n\u00e4chsten Anstieg.<\/p>\n<p>Dieser st\u00e4ndige und stetige Wechsel zwischen arbeitsreichen und ruhigen Phasen, zwischen Zeiten, in denen nicht einmal Nachtschichten reichen wollen, um Herr der Auftragsflut zu werden, und schreibtischfreien Tagen, geh\u00f6rt f\u00fcr mich zu den angenehmsten Seiten meines Berufs. Ich empfinde ihn als gesund, weil regenerative Abschnitte bewusster und tiefer erlebt werden, der Biorhythmus sp\u00fcrbarer ist und das subjektive und objektive Wohlbefinden individueller gesteuert werden k\u00f6nnen. Er ist au\u00dferdem bereichernd, weil im Tal die Luft frischer, die Farben leuchtender werden. Das Leben scheint vervielfacht, \u00fcberschw\u00e4nglich, gro\u00dfz\u00fcgig, verschwenderisch sogar. Wenn sich dann der n\u00e4chste Berg am Horizont abzeichnet, wird seine steinerne \u00dcbermacht nicht mehr zur Last, sondern zur spannenden Herausforderung.<\/p>\n<p>Nur wenige k\u00f6nnen offenbar diese Art des Lebens und Arbeitens nachvollziehen, die nicht selten mit mitleidvollen Blicken quittiert wird, als w\u00e4re ich in einem Horrortrip gefangen und gezwungen, ihn durchzustehen. Was die meisten als undurchschaubare Belastung betrachten, ist mein Weg in die Freiheit&nbsp;&#8211; in den sonnigen S\u00fcden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Selbstwahrnehmung und Fremdwahrnehmung k\u00f6nnen bekanntlich recht unterschiedlich ausfallen. Letztere kann Korrektiv sein&nbsp;\u2026 oder einfach auf gegens\u00e4tzlichen Vorlieben beruhen. Aus meiner Sicht pl\u00e4tschert mein Leben gleichm\u00e4\u00dfig dahin. 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