Was ist Arbeit?

Die Einschätzungen in meinem Bekanntenkreis gehen weit auseinander. Während Nachbarn und durchaus einige Familienmitglieder eher zu der Ansicht tendieren, ich sei nicht berufstätig, da ich ja „zu Hause bleibe“, sind Freunde im Allgemeinen eher der Meinung, ich würde „nur “ arbeiten und hätte keinerlei Privatleben.

Was ist Arbeit, wenn man schreibt? Wo fängt sie an? Was zählt dazu und was nicht? Die Antworten sind hier wahrscheinlich so vielfältig und differenziert, wie die eigene Auffassung des Berufs und die eigene Lebenseinstellung es auch sind.

Fakt ist: Ich sitze den ganzen Tag am Schreibtisch – wobei unter dem Ausdruck „den ganzen Tag“ ein Zeitspanne von 10 bis 16 Stunden zu verstehen ist. Allerdings würde ich nicht sagen, dass ich dabei immer arbeite. Mein Terminkalender gibt darüber genau Auskunft, nicht zuletzt weil ich mir angewöhnt habe, verschiedene Tätigkeitsbereiche farblich zu kennzeichnen.
Als Arbeit bezeichne ich ausschließlich die Zeit, in der ich tatsächlich für Geld schreibe, also einen konkreten, (hoffentlich) bezahlten Auftrag bearbeite. In meinem Terminkalender sind diese Aufgaben in Schwarz markiert. Erstaunlicherweise handelt es sich um sehr wenige Stunden – im Durchschnitt 2 bis 4 Stunden täglich, die aber durchaus auf einmal in Form einer 30 oder 36 Stunden-Dauerschicht anfallen können.
Danach beginnt eine Grauzone, eine Art „Peripherie“, die in meinem Kalender die ungeliebte Farbe Lila trägt, und die ich unter der Sammelbezeichnung „Verwaltungsarbeiten“ zusammenfasse. Hierzu zählen das Erfassen und Verwalten von Aufträgen und Kundendaten, Buchhaltungsarbeiten und Steuerangelegenheiten, die Beantwortung von eMails aller Art, das Erstellen von Kostenvoranschlägen, Archivierungsarbeiten, Bank- und Versicherungsangelegenheiten, Rechnungsstellungen, aber auch private Korrespondenz, Mietbelange und ähnliche Dinge. In Zahlen ausgedrückt handelt es sich um etwa 2 bis 3 Stunden täglich. Auch wenn all diese Pflichten ein hohes Maß an Aufmerksamkeit erfordern, bedeuten sie bei weitem nicht jene erschöpfende und körperlich verheerende Konzentration, die das Schreiben erfordert. Da sie außerdem nur indirekt dem Gelderwerb dienen, betrachte ich sie nicht als Arbeit im eigentlichen Sinne – auch wenn sie lästig sind.
Die meiste Zeit, die ich am Schreibtisch verbringe, ist in meinem Terminkalender mit einem Rosa-/Pinkton markiert. Es sind durchschnittlich je nach Auftragslänge und Verfassung 6 bis 10 Stunden täglich, die der Suche nach neuen Kunden, Werbung, Online-Marketingmaßnahmen und Recherchen (darunter die Pflege verschiedener Blogs) gewidmet sind. Auch hier würde ich nicht von Arbeit reden. Diese Tätigkeiten sind zwar überlebensnotwendig, doch weder anstrengend noch unmittelbar in Geld umzurechnen.

Aus dieser Sicht der Dinge heraus arbeite ich also recht wenig. Und das ist gerade das Schöne am Schreiberleben.