Statement & Wirklichkeit

Dass bildende Künstler auf ihrer Website ein Statement haben, wird im Allgemeinen als selbstverständlich betrachtet. Es dient – vereinfacht ausgedrückt – dazu, die Motivation und die Idee hinter dem Werk besser zu verstehen und dieses dadurch besser zu „lesen“.
Von einem Texter wiederum wird erwartet, dass seine Homepage in erster Linie einen potentiellen Kunden davon überzeugt, dass er hier die Lösung für seine Textprobleme oder -aufgaben gefunden hat.

Im TextLoft aber ist es anders: Obgleich Textarbeit gemeinhin als Dienstleistung aufgefasst wird, befasst sich die Startseite der Internetpräsenz nicht mit einem konkreten Angebot und sie ist nicht werblich orientiert. Damit steht sie in krassem Widerspruch zu den elementarsten Regeln des heutigen Marketings, nach denen die sog. Landing Page dazu dienen soll, den Besucher mit so vielen unwiderlegbaren Argumenten und Problemlösungen zu konfrontieren, dass er sich nicht wehren kann und das Gefühl bekommt, ihm könne nirgendwo sonst so effizient, unkompliziert und professionell geholfen werden wie hier.
Tatsächlich ist TextLofts auf den ersten Blick kontraproduktive Eingangsseite weder eine Ungeschicklichkeit noch ein grober Marketingfehler, sondern das Ergebnis sorgfältiger Abwägungen und ein sehr bewusstes Vorgehen.

Diese Entscheidung mag verwundern, aber sie wird vielleicht verständlicher, wenn man sich vergegenwärtigt, was genau der Sinn einer Internetseite sein soll.
Eine Website dient natürlich dazu, die vom jeweiligen Unternehmen angebotenen Produkte oder Leistungen vorzustellen. Parallel dazu ist es aber auch ihre Aufgabe, über sekundäre Merkmale wie Layout, Ansprache und weitere psychologische Mechanismen dazu beizutragen, die Zielgruppe zu definieren und einzugrenzen. Sie beantwortet also nicht nur die Frage „Was wird hier angeboten?“, sondern ebenso die Frage „Für wen ist dieses Angebot eigentlich gedacht?“ Die eine ist mit der anderen deshalb untrennbar verbunden, weil ein Produkt nichts wert ist, wenn man versucht, es an die falschen Personen zu verkaufen.
Je größer und allgemeiner zusammengesetzt der mögliche oder gewünschte Kundenkreis ist, um so konkreter kann und sollte die Homepage sein: Fakten, Daten, Preise, Anwendungen, Versprechen, Lösungen und Vorteile sind für alle Produkte und Leistungen wichtig, die von vielen gebraucht werden – sei es von Endverbrauchern oder von Unternehmen.
Für Texter, die die Frage „Für wen ist dieses Angebot eigentlich gedacht?“ mit den Worten beantworten: „Für alle, die Texte für PR und Werbung brauchen“, ist eine Landing Page mit lösungsorientiertem Ansatz sinnvoll, ja unerlässlich.

TextLoft wiederum wendet sich bewusst nicht an Kunden, die Texte benötigen, sondern an Kunden, die aus einem bestimmten Grund und für einen bestimmten Anlass – wobei „Anlass“ hier im weitesten Sinne zu verstehen ist und sowohl private als auch berufliche, gewerbliche und kaufmännische Belange bezeichnen kann – einen besonderen Text möchten und suchen. TextLoft bietet nicht die Antwort auf einen Bedarf oder eine Notwendigkeit, sondern auf einen Wunsch, ein Begehren.
Die erste Seite der Website von TextLoft stellt deshalb keine Leistungen vor, weil es nicht ihre Aufgabe ist, einen noch zweifelnden potentiellen Kunden zu überreden. Sie beginnt mit einer Idee, einem Konzept, einer Anschauung, einem Statement, weil sich so TextLofts Zielgruppe umreißen lässt:
Ich schreibe nicht für Menschen, die einen praktischen Text brauchen, sondern für Menschen, die sich oder ihrem Unternehmen einen schönen Text gönnen möchten.
Ich schreibe für Unternehmen, die selbst ihren Kunden keine bloßen Fakten, Daten, Zahlen verkaufen, sondern Bilder, Träume, Fantasie, Atmosphäre und die Erfüllung von Wünschen bieten.
Ich schreibe für alle, die meinen Textgeschmack und meine ästhetischen Wertvorstellungen teilen und sich deshalb wünschen, dass ausgerechnet ich für sie schreibe.

Dieses Statement ist nicht nur Theorie. Seine Umsetzung in der Wirklichkeit bedeutet für Unternehmen die Möglichkeit, die Texte, die sie nach außen vertreten, mit derselben Sorgfalt und Differenzierung auszusuchen, wie sie es für ihre Visitenkarte, die Ausstattung ihrer Büroräume oder ihr eigenes Erscheinungsbild tun, und jenseits aller Schönrederei und Argumentierungen das auszusuchen, was ihnen wirklich gefällt und entspricht.