Sommer im TextLoft

Mit den ersten wirklich heißen Tagen des Jahres, wenn das Thermometer dauerhaft über 24 Grad anzeigt, beginnt im TextLoft die dunkle Jahreszeit.

Tagsüber bleiben Fenster und Jalousien zum Schutz von Computer, Drucker und anderen Bürogeräten, aber auch zur Erhaltung von Konzentration und Arbeitsenergie geschlossen, der nötige Sauerstoff findet erst in den Abendstunden und bis in die Nacht hinein Einlass. Der Kaffeebecher muss weichen, an seinem Platz steht ein Glas, das immer wieder mit reichlich Eiswürfeln und Wasser nachgefüllt wird und an dessen Wänden immer dickere Perlen fleißig heruntertriefen, bis sie schließlich das zum improvisierten Bierdeckel zusammengefaltete Küchenpapier vollends durchweicht haben.

Mit dem frühen Abend, wenn der Geruch von gegrilltem Fleisch aus den Nachbargärten sich appetitanregend verbreitet, wird die Arbeit nach draußen in den luftigen Schatten verlegt. Die frische Luft, der Gesang der Amseln, die über die Weiten der Stadt hinweg den regen meteorologischen Austausch pflegen, das zufriedene Fiepen der Meisen, der Tanz der offenbar paarungswilligen Rotkehlchen, der Duft der Blumen, die sich in der einsetzenden Kühle von dem Tag erholen und dankend die aufkommende Feuchtigkeit aufsaugen, der Glanz der untergehenden Sonne auf entferntem Gebüsch werden nach den dunklen Stunden des Nachmittags euphorisch genossen, während die Hummeln ihre letzten Runden drehen und die Tauben nach und nach verstummen.

Bald leuchtet in der Nacht nur noch der Bildschirm, sehr zur Freude blutdurstiger Mücken. Kaum hat sich der Tag verabschiedet, zieht die Fledermausfamilie ihre Kreise und teilt sich die Stille mit dem leisen Klicken der Tastatur. Plötzlich, da alle Farben in die Grautöne verschwunden sind, scheinen die Rosen von innen zu leuchten. Geborgenheit erwächst aus den letzten Geräuschen, die der kühlende Wind den Zweigen abtrotzt. Eine kleine Maus wagt sich zu nah, erschrickt über die eigene Courage und flüchtet panisch unter den Efeu. Ihr aufgeregtes Rascheln zieht mehr Aufmerksamkeit auf sie, als nötig gewesen wäre.

Das Arbeiten in der dunklen, klaren Luft, in der nur noch vereinzelt abfallende Blätter zu hören sind, gehört zu den schönsten Seiten des Sommers im TextLoft und lässt Sorgen oder Ärger schnell vergessen. Der Sommer ist die Zeit der belohnenden Augenblicke.