11/16/14

TextLoft aktuell

Nach einem aufregenden und manchmal aufreibenden Herbst voller Neuerungen und Pläne ist nun die Zeit für eine erste Zwischenbilanz gekommen – und sie ist erfreulich.

Die Neugestaltung und Neuausrichtung der Homepage und des Blogs waren viel mehr als nur eine optische turnusmäßige Modernisierungsmaßnahme. Sie haben dazu beigetragen, TextLoft konkreter und transparenter zu positionieren. Das neue Erscheinungsbild und die persönlichere Vorstellung unterstreichen den einzigartigen künstlerischen Ansatz, der TextLoft von anderen Textunternehmen unterscheidet. Die kreative Leistung in all ihrer Individualität, der Text als Objekt und Unikat und die Beziehung zwischen Auftraggeber (nicht: Kunde) und Textkünstler (nicht: Dienstleister) werden kompromissloser angesprochen.

Gleichzeitig ist dadurch dem System aus Blog, Fanpage und Twitter eine neue Funktion zugekommen. Das Blog bleibt natürlich der Schreibort zum Themenfeld „Leben und Schreiben“, wobei zudem die Vorstellung neuer aktueller Projekte und Arbeitsphasen einen lebendigeren Einblick in die tägliche Arbeit vermitteln soll. So können sich auch Leser, die TextLoft nicht in den Social Media folgen möchten, hier im Blog direkt über Neuigkeiten informieren, die Entwicklung von TextLoft verfolgen und sich ein Bild davon machen, wie der ganze normale Alltag des Schreibens in der Praxis aussieht. Die Fanpages werden weiterhin zur Veröffentlichung aktueller Meldungen oder kurzfristiger Aktionen genutzt – an jedem Freitag, dem „Follow Friday“, wird dort über die Ereignisse der vergangenen Woche berichtet. Die Arbeit auf Twitter wurde in den letzten Wochen deutlich in Sachen Positionierung und Prospektion intensiviert.

Die neue Struktur ist schlüssig, klar und ausgewogen, und bietet somit einen ruhebringenden und fruchtbaren Hintergrund für die geplanten neuen Projekte.
Klare Strukturen – eines New Yorker Lofts würdig …

06/6/10

Neue Erkenntnisse aus der Galaxis: Schwarzes Loch für Handwerker

Die Reparatur und das Streichen unseres Balkongeländers hat uns vor Kurzem und nicht zum ersten Mal eine Tatsache vor Augen geführt, die wir seit den letzten Arbeiten im Haus zwar vergessen, oder besser verdrängt hatten, und sich doch immer wieder aufs Neue bewahrheitet: Mitten in unserem Sonnensystem gibt es eine Anomalie, die als bislang unerforscht gelten darf. Es ist ein Schwarzes Loch, dessen Aufgabe es ist, nicht etwa Planeten oder Materie zu verschlingen, sondern Handwerker.

Der Handwerker an sich – und es spielt dabei keine Rolle, ob er angemeldet ist oder überraschend kommt – taucht immer und überall ab etwa 7:00 Uhr morgens auf. Dass andere möglicherweise berufsbedingt spät ins Bett gehen, um diese Zeit noch etwas Schlaf brauchen und so früh am Tag noch gar nicht in der Lage sind, Fragen zu beantworten, technische Entscheidungen zu treffen oder den unvermeidlichen Lärm zu ertragen, der mit seiner Tätigkeit einhergeht, kommt ihm nicht in den Sinn. Er ist bereits froh gelaunt, und sein Tatendrang überrollt wie die sprichwörtliche Dampfwalze geübt und erbarmungslos alles, was sich ihm und seinem Werkzeug in den Weg stellt.
Der Handwerker lärmt dann etwa 3 Stunden. Wenn sein Deo gerade zu versagen beginnt, geht er zu seinem Auto, dreht das Radio auf und gönnt sich ein Butterbrot, das in den Dimensionen dem Krach, den er veranstaltet hat, kaum nachsteht.
Dann begibt er sich wieder an die Arbeit und lärmt wieder ein Stündchen.

Und dann hört er auf, zu lärmen.
Es ist nicht etwa so, dass er mit seiner Arbeit fertig wäre. Es ist auch nicht so, dass er sich verabschieden würde.
Es ist auch nicht so, dass er den gequälten Mieter über den Stand der Dinge informieren würde.
Dass er sich unterbricht, um neues Material zu holen, ist genau so wenig der Fall.
Nein, er ist einfach nicht mehr da.
Er ist verschwunden.
Da geht man raus, weil nichts mehr zu hören ist, das Werkzeug liegt aufgeräumt in der Ecke und bleibt dort bis zum nächsten Sonnenaufgang. Der Mann ist weg. Wie vom Erdboden verschluckt.
Ist er vielleicht zu einem anderen Kunden gefahren? Es ist unwahrscheinlich, denn es würde bedeuten, dass es Nachmittagsbaustellen gibt, und der Handwerker würde nicht immer in aller Frühe kommen und einen aus dem Bett werfen, wenn man am schönsten träumt. Es würde bedeuten, dass man sich aussuchen kann, ob er vormittags oder nachmittags kommen soll. Und das kann man nicht, das steht fest, ich habe es oft genug versucht.

Wo ist also der Handwerker ab 11 Uhr?
Es muss so sein, dass es ein Schwarzes Loch gibt, das pünktlich um diese Zeit alle Handwerker einsammelt, verschlingt, und erst am nächsten Tag zu Arbeitsbeginn wieder herausspuckt. Eine andere Erklärung fällt mir nicht ein.

04/27/10

Habe ich die kleinste Wohnung Deutschlands?

Ich will eine Kommode. Für meinen Flur. Und ich habe eine gefunden, die mir wirklich gefällt. Sie trägt zufällig einen schwedischen Namen, ist hübsch schwarz, absolut erschwinglich und soll Telefonbücher, Versandkataloge, Briefumschläge, Klebeband, Scheren, Batterien, Toner- und Druckerpatronen und dergleichen beherbergen. Sie würde perfekt zu dem Stil passen, den ich dort anstrebe.
Wäre da nicht eine Kleinigkeit: die Abmessungen. Wenn ich sie dort hinstellen würde, käme niemand mehr mit einer einfachen Einkaufstasche durch den Flur. Dass zwei Menschen sich, ohne sich gegenseitig zu behindern und ein echtes Vorfahrtproblem zu schaffen, dort begegnen könnten, wäre genau so ausgeschlossen. Wer des Nachts aufstehen würde, müsste schon wach genug sein, um das Hindernis bewusst unfall- und verletzungsfrei zu ungehen – im Halbschlaf wäre da nichts zu machen.
Dabei handelt es sich vermeintlich um ein kleineres Modell, alle vergleichbaren Kommoden sind wesentlich sperriger.
Also suchte ich bei demselben schwedischen Hersteller nach einem anderen Stück, das sich besser mit den örtlichen Gegebenheiten vereinbaren ließe. Es muss auch nicht eine Kommode sein, ein Schränkchen ginge auch, wenn es geräumig genug wäre.
Es gibt in dieser Größenordnung keins. Und auch bei anderen Marken nicht.

Es stimmt mich nachdenklich. Der berühmte schwedische Hersteller ist eigentlich dafür bekannt, dass er für allen und jeden produziert, und nicht nur für Schlossbesitzer. Wenn alle dort kaufen können und für die erstandenen Möbel auch ausreichend Platz finden, ohne bei jeder Bewegung blaue Flecken zu riskieren, wohnen wir denn so erbärmlich klein?
Die Frage kam mir schon einmal, als ich versuchte, einen Fernseher zu finden, nachdem unserer mittlerweile über 17 Lenze vorzuweisen hat und es daher vernünftig wäre, sich geistig, emotional und praktisch mit der Eventualität seines Ablebens rechtzeitig auseinanderzusetzen. Damit das neue Gerät an dem angestammten Platz stehen kann, dürfte seine Diagonale wie die seines Gott sei Dank noch aktiven Vorgängers bis zu 33 cm aufweisen. Aber so etwas gibt es nicht mehr. So etwas sei nur in der Kategorie „Campingausrüstung“ zum Anschluss an den Zigarettenanzünder zu finden, hörte ich. 55, 60, 99 cm scheinen die üblichen Maße zu sein. Was mache ich denn, wenn sich das alte Gerät eines unvermeidlichen Tages zu seinen Ahnen begibt? Ich will keinen Campingfernseher.

Sind 74,5 m² heutzutage denn so ungewöhnlich winzig? Haben heute etwa alle 200 m² zur Verfügung? Wenn alle Produzenten von Einrichtungsgegenständen in so für mich unglaublichen Dimensionen planen und herstellen, dann sind wohl alle Wohnungen riesig. Außer meiner.

04/20/10

Ich bin hier, aber nicht da?

Die Bestellung liegt Wochen zurück. Endlich hat sich die Firma gemeldet und die Lieferung angekündigt. Zwischen 8 Uhr und 18 Uhr soll das Paket kommen. Es ist ein großes Paket. Nicht die Art von Päckchen, die man zu Fuß vom Postamt abholen kann. Und es ist eine wichtige Lieferung. Also steht man früh auf, bleibt zu Hause, geht nicht einmal auf die Toilette und wartet aufgeregt auf das Klingeln.
Es klingelt aber niemand.
Ein paar Male geht man raus und prüft die Klingel.
Bis 20 Uhr wartet man noch. Es kann sich jeder mal verspäten, es ist nichts dabei. Da die Zeit etwas lang wird, bringt man den Müll raus – die Tonnen stehen ja direkt neben der Tür. Es ist eine gute Gelegenheit, drei Schritte bis zum Rand des Bürgersteigs zu gehen, einmal nach rechts und einmal nach links zu schauen, um vielleicht den großen Wagen zu erspähen, der die Macht hat, einen binnen Sekunden glücklich zu machen.
Der Weg dorthin führt an den Briefkästen vorbei.
Was leuchtet da in unserem? Ein Kärtchen?
„11 Uhr. Wir bedauern, Sie nicht angetroffen zu haben. Bitte setzen Sie sich mit unserem Kundentelefon in Verbindung.“
Ich war hier, aber nicht da? Wie geht das?

04/14/10

Paketboten gehen niemals auf die Toilette

Ganz gleich, bei welchem Paketdienst sie arbeiten, welche Farbe ihre Uniform haben mag, welches Geschlecht sie haben, ob sie verheiratet sind oder nicht, ob jung oder alt, ob wortkarg gestresst oder freundlich lächelnd – Paketboten haben alle etwas Grundsätzliches gemeinsam: Sie gehen niemals auf die Toilette. Nicht einmal ab und zu. Nein, wirklich niemals.
Wie ist es sonst zu erklären, dass sie, nachdem sie geklingelt haben, bereits nach gezählten zwölf Sekunden versuchen, das auszuliefernde Päckchen anderswo abzugeben? Auf den Gedanken, man könne doch im Bad sein, ein Telefonat führen, sich gerade anziehen, einen Satz zu Ende tippen, eine Datei speichern, kommen sie offenbar nicht. Sie würden dann sicher versuchen, noch einmal zu klingen, oder würden eine Minute warten, bevor sie Nachbarn in Alarmbereitschaft versetzen und sie bitten, sich der armen Lieferung anzunehmen.
Dass sie das nicht tun, beweist eindeutig, dass sie niemals auf der Toilette sitzen und sich nicht im Geringsten vorstellen können, wie lange es dauert, bis man dann in vorzeigbarem Zustand, sprich mit nicht heruntergelassener Hose und dagegen mit ordnungsgemäß gewaschenen Händen, zur Tür kommen kann.

11/21/08

Ganz sicher

Es war ein trüber kalter Herbsttag. Draußen nieselte es seit Stunden auf deprimierende Weise. Nicht die kleinste Aufhellung war in Sicht, das Wetter hielt sich unverschämt zuverlässig an die Vorhersage und mit völlig übertriebenem Pflichtbewusstsein an den Kalender. Ich hatte das Licht bereits beim Frühstück einschalten müssen, das ich entgegen seiner Bezeichnung für gewöhnlich jedoch nicht gerade am Morgen einnehme, und seitdem keine Gelegenheit mehr gehabt, die Lampe – und sei es nur für kurze Zeit – wieder auszuschalten, was mir besonders widerstrebte.

Es war die Art von Tagen, an denen die meisten krampfhaft versuchen, es sich zu Hause bei Kerzen, Tee, gedämpfter Musik und wolligen Decken gemütlich zu machen, um ja nicht zugeben zu müssen, wie unangenehm die Jahreszeit in Wirklichkeit ist; die Art von Tagen, an denen meine Laune erheblich zu wünschen übrig lässt und ich unruhig in meinem Arbeitszimmer tigere, als würde es diese sinnlose Bewegung vermögen, die sadistischen Wolken umzustimmen. Die heuchlerische Suche nach Geborgenheit und der Rückzug in den schützenden Kokon aus sanftem Licht und warmen Düften ist mir im Allgemeinen kein Trost, auch wenn ich diese Fähigkeit anderer bewundere, aus der Selbstlüge Stärke zu ziehen. Dauert eine solche Wetterfront mehr als drei Tage an, gelingt es mir nicht mehr, die Anspannung zu verdrängen. Schreiben ist nicht mehr möglich, überhaupt wirkt jede Art von Aktivität auf einmal unzumutbar, und wenn nicht einmal die mit aller Kraft bemühte Vorstellung im Frühling blühender Tulpen und sprießender Gänseblümchen das Grau und die Feuchtigkeit zu vertreiben vermag, wenn nervöse Hilflosigkeit und vergrabene Urängste die Oberhand gewinnen, lasse ich mich meistens vor dem Fernseher nieder und verschlinge so lange Comedyserien, bis ich nicht mehr genau weiß, wie die Welt da draußen aussieht, und das Gefühl bekomme, den Tag irgendwie zu überstehen. Ich muss vergessen.
Nach einigen Tagen jedoch stachelt mich das schlechte Gewissen des Leistungsethikers wieder an, und ich muss einsehen, dass das Flüchten nicht ewig währen kann und es wieder an der Zeit ist, zumindest in kleinen Schritten etwas Sinnvolles zu tun. Ablenkung um jeden Preis – nun aber wohl dosiert und vernunftorientiert. Es ist der ideale Moment, um vernachlässigte Korrespondenz nachzuholen, die in Zeiten intensiven Arbeitens zu oft brachliegt. Und die Bemühung, sich auf die Adressaten einzulassen und einigermaßen Spannendes zu berichten, hat die positive Wirkung eines erzwungenen Lächelns: Es geht einem weiterhin schlecht, doch ganz so elendig fühlt man sich nicht mehr.

Genau an einem solchen Tag beschloss ich, ein Vorhaben, dass mir schon seit zwei oder drei Wochen vorschwebte, in die Tat umzusetzen, und mich nach einer für meine Tätigkeit passenden Versicherung umzusehen.
Wer für andere schreibt, sollte sich angemessen versichern, dachte ich so vor mich hin. Schließlich ist ein Texter auch nur ein Mensch, und bei aller Sorgfalt und trotz zahlreicher Korrekturdurchgänge kann ihm oder seinem Lektor dennoch ein Tippfehler entgehen.
Und so tat ich das, was auf der Hand lag, schickte zunächst mit der Bitte um Auskunft meinen üblichen Versicherungsvertretern eine ausführliche eMail mit allen Daten zu meiner Arbeit, Kundenportfolio, Auftragsbeschreibungen, und begab mich zudem dahin, wo der Suchende heutzutage Hilfe sucht: ins Internet.

Ich hatte ja Zeit, war gerade nicht in der Stimmung, etwas anderes zu tun, und stöberte also selbstvergessen durch die Angebote der Versicherungen. Ich bekam die Möglichkeit, online Tarife für Kraftfahrzeugversicherungen zu ermitteln – zu schade, dass ich kein Auto habe -, ein witziges Progrämmchen mit süßen Animationen rechnete mir vor, was Inlays und Verkronungen kosten können, ich wurde eindringlichst auf die finanziellen Risiken einer Berufsunfähigkeit aufmerksam gemacht, ich fand Haftpflichtversicherungen für Chirurgen, Anwälte, Bauingenieure und für viele anderen Berufe, von denen ich nur sehr vage ahnen konnte, was sich dahinter verbarg. Aber Freiberufler, die sich mit Texten befassen? Das schien es auf dem Planeten Erde am Anfang des 21. Jahrhunderts nicht zu geben.
Mit Hartnäckigkeit wühlte ich mich durch die abgelegensten Winkel des WeltWeiten Netzes und entdeckte schließlich in einer besonders stark verstaubten Ecke, in die offenbar seit längerer Zeit kein Mensch mehr vorgestoßen war, drei Gesellschaften, die Angebote für Journalisten und Autoren versprachen. Von Verletzung der Persönlichkeitsrechte durch Zeitungsartikel oder Fotos war die Rede, von horrenden fälligen Zahlungen bei Copyright-Verletzungen, Verleumdungsklagen, Unterlassungsverfahren. Das klang alles natürlich furchtbar wichtig, nicht minder unentbehrlich, hatte nur nichts mit mir zu tun. Eigentlich wollte ich doch nur ein paar Tippfehler oder eine kaputte Daten-CD absichern. War es denn ein so ungewöhnlicher Wunsch? Es schien doch unwahrscheinlich, dass ich die erste sein würde, die an solche Dinge dachte.

Die Recherche war so faszinierend, dass ich tatsächlich bald Tag, Wetter und Uhrzeit vergessen hatte und nicht einmal merkte, dass die Temperatur in meinem Arbeitszimmer merklich abgekühlt war, und ich fror. Als es mir endlich auffiel und ich aufstand, um die Heizung einzuschalten, fühlten sich meine Füße wie Eiszapfen an – eine schlechte Angewohnheit, die ich ihnen von November bis April ohnehin schlecht austreiben kann. Ich setzte mich gerade wieder hin, als meine Mailbox sich meldete: Einer meiner Stammversicherer hatte geschrieben.
Sehr viel konnte ich seiner Antwort nicht entnehmen. Er würde sich bei seiner Zentrale kundig machen und Bescheid sagen, erklärte er kurz und knapp. Dass ein regionaler Vertreter nicht alle Versicherungsfälle und -tarife im Kopf haben kann, konnte ich gut verstehen. Ich wartete gespannt auf weitere Informationen.
Zwei Tage später rief er an und erklärte mir, er hätte Rücksprache gehalten und könne mir nichts anbieten: So einen Beruf könne man gar nicht versichern. Es gäbe wohl Versicherungen für Journalisten, falls ich mich für meine Beiträge in meinem Blog versichern müsse. Und wenn ich mehr in Werbung machen würde, dann gäbe es ja schon ‚was, aber so … Die drei Punkte in seiner Stimme gaben das ganze Ausmaß seiner Ratlosigkeit preis und löste meine geradezu aus. Wo der Unterschied zwischen Werbung und dem, was ich anbiete, so läge, fragte ich dann, ein klein wenig verdutzt. Nun ja, das sei eben keine Werbung, meinte der junge Mann, der rein rechnerisch ohne Weiteres mein Sohn sein könnte, ohne weitere Erklärungen. Und ich gab es auf. Vielleicht lag es daran, dass es draußen gerade so trüb war und ich dementsprechend auf eine pädagogische Einführung in die Texterarbeit wenig Lust hatte und die nötige Energie nicht aufzubringen vermochte. Ein Stück resignierter Einsicht war aber auch dabei. Wer mein Portfolio gelesen hatte, wusste, dass ich Homepages, Flyer und dergleichen mehr schreibe, und wer nicht begriffen hatte, dass es sich dabei um Werbung handelt, hatte es eben nicht besser verdient, als dass ich mich woanders versicherte. Sollten eigentlich ausgerechnet Versicherer nicht mit allem vertraut sein, was es unter der Sonne, pardon: dem Regen, gibt? Es wurde mir zu dumm, ich gab ihm zum Schein recht und legte auf.

In der Zwischenzeit hatte ich den anderen Gesellschaften, die behaupteten, Freiberuflern Haftpflicht- und andere Versicherungen anzubieten, ebenfalls eine eMail geschickt.
Mit uneingeschränkt lobenswerter und für mich überraschender Geschwindigkeit kamen auch Rückmeldungen.

Die erste erreichte mich übers Telefon.
„Wat wolln Se denn an Texten verchsischern?“ fragte ein älterer Herr mit rheinischen Akzent etwas spöttisch. „Wat soll dat für ne Beruf überchaupt sein? Schreim is doch kein Beruf! Wenn Se für andere schreim, dann ist dat ne Jefällischkeit, und Jefällischkeitn kann man nisch verchsischern. Dat ist so, als würden Se nem Bekannten helfen, seine Wohnung zu chenoviern. Wat wolln Se denn da verchsischern?“ Als ich ihm erklärte, dass man auch mitunter Geld dafür bekommt, wenn man für andere schreibt, konnte ich regelrecht hören, wie ungläubig er gerade am anderen Ende der Leitung dreinblickte: „So wat Verrücktes hab isch noch nie jehörcht! Alllso, isch kann Ihnen nisch hälllfn.“ Irgendwie war es mir klar gewesen.

Von einer anderen Seite wurde ich mit Rückfragen über den „Inhalt“ meines „Gewerbes“ gefragt, und als ich mein Portfolio zusandte, kam mailwendend die Frage, was ich nun genau machen würde.

Wie die Geschichte ausging? Gar nicht. Ich warte noch auf zwei Antworten. Ich werde meine Leser auf dem Laufenden halten. Ganz sicher.