{"id":685,"date":"2014-09-28T14:43:19","date_gmt":"2014-09-28T13:43:19","guid":{"rendered":"http:\/\/www.textloft.de\/auf-papier\/?p=685"},"modified":"2024-09-04T12:28:42","modified_gmt":"2024-09-04T11:28:42","slug":"warum-ich-notizbuecher-liebe","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.textloft.de\/auf-papier\/warum-ich-notizbuecher-liebe\/","title":{"rendered":"Warum ich Notizb\u00fccher liebe"},"content":{"rendered":"<p>Dass Notizb\u00fccher meine besten Freunde wurden, war keine Selbstverst\u00e4ndlichkeit und stellte sich erst relativ sp\u00e4t heraus.<br \/>\nAls ich klein war, beneidete ich immer die Sch\u00fcler der h\u00f6heren Klassen, die nicht angehalten waren, Hefte zu benutzen, und auf lose Ringbuchbl\u00e4tter schreiben durften. Diese Einzel- und Doppelb\u00f6gen, die es in allen Lineaturen und Farben zu kaufen gab, wurden f\u00fcr mich zum Symbol des Erwachsenseins und der damit verbundenen Freiheit, und ich war heilfroh und stolz, als auch ich endlich in die Klassenstufen kam, in denen jeder seine Schreibmaterialien so w\u00e4hlen konnte, wie er wollte. Die losen Bl\u00e4tter wurden zur demonstrativen Form meiner ganz pers\u00f6nlichen Emanzipation vom Kinderdasein.<br \/>\nErst nach dem Studium begann ich, die praktischen Seiten von Heften und Notizb\u00fcchern wirklich zu sch\u00e4tzen und auch ihre optische Geschlossenheit zu genie\u00dfen. Sie sind haltbarer, es f\u00e4llt nichts heraus, man muss die Seiten nicht einmal nummerieren. Allein das Heraustrennen einer unerw\u00fcnschten Seite ist manchmal etwas schwieriger, aber nicht unm\u00f6glich. Es entf\u00e4llt die Notwendigkeit einer Unterlage, und das Schreibgef\u00fchl ist immer gleich\u00a0 \u2013 aus diesem Grund bevorzuge ich Briefpapier mittlerweile auch in Schreibblockform und meide die \u00fcblichen Schachteln.<br \/>\nDie gebundene Form ist etwas Unvergleichliches. Sie ist f\u00fcr mich viel mehr als ein rein technisches und \u00e4u\u00dferliches Merkmal. Sie gibt meinem Schreiben Halt. Sie schafft Geborgenheit\u00a0 \u2013 als w\u00fcrde man sich in seinen Lieblingspullover einkuscheln oder in einen Lieblingssessel verkriechen. Es ist ganz egal, wo ich bin, das geschlossene B\u00fcchlein in meiner Hand oder in meiner Umh\u00e4ngetasche gibt mir das Gef\u00fchl, zu Hause zu sein, gesch\u00fctzt, sicher, fast unangreifbar. Es ist, als k\u00f6nnte mir nichts passieren, solange mein Notizbuch in Reichweite ist. Es ist die einzige Heimat, die ich wirklich brauche, der einzige Hafen, den ich wirklich sp\u00fcre, der einzige Festpunkt, auf den ich mich verlassen kann.<br \/>\nIn ihrer bewahrenden Eigenschaft sind Notizb\u00fccher nicht nur Archiv und Quelle. Sie sind Enklaven in unserem Alltag, das Sinnbild eines einfachen, urspr\u00fcnglichen und unaufgeregten Lebens. Sie haben ihre ganz eigene Treue\u00a0\u2026 und ihre ganz eigene Ehrlichkeit. Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft, Ferne und N\u00e4he verwandeln sie zu einem abgeschiedenen Kosmos, den wir \u00fcberall hin mitnehmen k\u00f6nnen. Sie sind das Meer und die Insel zugleich.<br \/>\nBis ich dies begriff, hat es verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig lange gedauert. Umso inniger wurde diese Liebe, und meine Notizb\u00fccher, -hefte und -bl\u00f6cke sind heute ein Teil meines Selbst, unentbehrlich und selbstverst\u00e4ndlich wie die Luft zum Atmen. Sie sind der sinnliche Ausdruck des Schreibens.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dass Notizb\u00fccher meine besten Freunde wurden, war keine Selbstverst\u00e4ndlichkeit und stellte sich erst relativ sp\u00e4t heraus. Als ich klein war, beneidete ich immer die Sch\u00fcler der h\u00f6heren Klassen, die nicht angehalten waren, Hefte zu benutzen, und auf lose Ringbuchbl\u00e4tter schreiben durften. 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