{"id":522,"date":"2013-06-28T12:55:25","date_gmt":"2013-06-28T11:55:25","guid":{"rendered":"http:\/\/www.textloft.de\/auf-papier\/?p=522"},"modified":"2017-02-06T22:26:51","modified_gmt":"2017-02-06T21:26:51","slug":"die-wahl-des-richtigen-schreibgerats-teil-iii","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.textloft.de\/auf-papier\/die-wahl-des-richtigen-schreibgerats-teil-iii\/","title":{"rendered":"Die Wahl des richtigen Schreibger\u00e4ts \u2013 Teil III"},"content":{"rendered":"<p><strong>Teil III: Der Kauf im Gesch\u00e4ft \u2013 ein widerspr\u00fcchliches Unterfangen<\/strong><\/p>\n<p>Wie bei Schuhen auch ist das An- bzw. Ausprobieren eines F\u00fcllfederhalters im Gesch\u00e4ft zwar unerl\u00e4sslich, aber nicht wirklich aussagekr\u00e4ftig und dient lediglich einer ersten, sehr groben Auswahl: So werden die Kandidaten aussortiert, mit denen man auf gar keinen Fall zurechtk\u00e4me, aber ob und mit welchen der \u00fcbrigen sich eine dauerhafte Freundschaft schlie\u00dfen lie\u00dfe, bleibt oft ungewiss.<br \/>\nIn der Tat sind die Testbedingungen beim Kauf in jeder Hinsicht verf\u00e4lschend \u2013 und das hat mehrere Gr\u00fcnde.<\/p>\n<p>In den meisten Gesch\u00e4ften findet die erste Begegnung mit dem Schreibger\u00e4t an einer als Theke gestalteten Vitrine statt, auf der Block und Tinte bereitstehen, was beinhaltet, dass im Stehen geschrieben werden muss. Durch diese unnat\u00fcrliche Schreibhaltung ist auch der Winkel zwischen Arm und Schreibunterlage und somit zwischen Feder und Papier unrealistisch. In wirklich guten Schreibwarengesch\u00e4ften stehen Tisch und Stuhl in einer ruhigen Ecke zur Verf\u00fcgung, aber sie sind eher die Ausnahme. Vielen H\u00e4ndlern ist an einem schnellen, unkomplizierten, nicht allzu ausf\u00fchrlichen und vor allem erfolgreich abgeschlossenen Verkaufsgespr\u00e4ch gelegen und sie sehen es nicht gern, wenn ein Kunde den Mantel ablegt und sich allzu gem\u00fctlich niederl\u00e4sst.<br \/>\nIn diesem Zusammenhang spielt auch der Zeitfaktor eine Rolle. Um einen F\u00fcller richtig zu beurteilen, sind mehrere Stunden oder sogar einige Tage n\u00f6tig. Die wenigen Minuten, in denen sich der potentielle K\u00e4ufer im Gesch\u00e4ft mit dem Ger\u00e4t besch\u00e4ftigen kann, gen\u00fcgen bei weitem nicht, um einen einigerma\u00dfen konkreten Eindruck zu bekommen, und d\u00fcrfen durchaus als der sprichw\u00f6rtliche Tropfen auf dem hei\u00dfen Stein betrachtet werden. Treuen und vertrauensw\u00fcrdigen Kunden wird gegen das Versprechen, ausschlie\u00dflich blaue l\u00f6schbare Tinte zu verwenden, erlaubt, das Schreibger\u00e4t f\u00fcr zwei oder drei Tage nach Hause mitzunehmen, doch gerade Erstk\u00e4ufern wird diese M\u00f6glichkeit aus naheliegenden Gr\u00fcnden nicht einger\u00e4umt.<\/p>\n<p>Werden Schreibhaltung und Testdauer grunds\u00e4tzlich au\u00dfer Acht gelassen, wird wiederum und kaufm\u00e4nnisch nachvollziehbar, wenn nicht legitim, Wert darauf gelegt, die Kaufentscheidung auf anderen Wegen ohne R\u00fccksicht auf die Echtheit der Schreibbedingungen positiv zu beeinflussen, ja zu erzwingen.<br \/>\nDas Papier, das offen zur Verf\u00fcgung steht, ist von so idealer Qualit\u00e4t, dass eine objektive Wahrnehmung der Federeigenschaften schlicht nicht m\u00f6glich ist. Auf diesem \u2013 oft von den Herstellern selbst ausgesuchten \u2013 perfekten Untergrund gleitet die schlechteste Feder m\u00fchelos. Um dieser Verkaufsfalle zu entkommen, empfiehlt es sich, eigenes Papier mitzubringen. So kann die Feder in Zusammenhang mit dem Papier erlebt werden, mit dem sie sp\u00e4ter im wirklichen Leben verwendet werden soll. Eine M\u00f6glichkeit ist auch, vor Ort einen kleinen Schreibblock zu kaufen, damit das Papier noch originalverpackt ist, und der Verk\u00e4ufer nicht argumentieren kann, Verschmutzungen k\u00f6nnten auf die Feder \u00fcbertragen werden. Neben handels\u00fcblichen Brief- und College-Bl\u00f6cken eignen sich Moleskine-Hefte oder gew\u00f6hnliche Kalender. Betont der Verk\u00e4ufer, dass das Schreibergebnis auf so durchschnittlichem Papier nicht optimal ausfallen kann, stimmt vermutlich etwas mit der Feder nicht. Verbietet er sogar die Verwendung eines anderen Papiers, selbst wenn es nachweislich sauber und allgemeintauglich ist, ist es sinnvoll, ein anderes Schreibwarengesch\u00e4ft aufzusuchen.<\/p>\n<p>Tragischerweise kann beim Kauf gerade die wichtigste Eigenschaft des F\u00fcllfederhalters nicht getestet werden: die Qualit\u00e4t des Tintenleiters bzw. seiner Zusammenarbeit mit der Feder.<br \/>\nDie Auslegung des Tintenleiters bestimmt viele Dinge, die Schreibbild, Schreibkomfort und Zuverl\u00e4ssigkeit unmittelbar beeinflussen: Wie schnell mit dem F\u00fcller geschrieben werden kann, ohne dass der Tintenfluss aussetzt; wie viel Tinte in Zusammenhang mit der Federbreite abgegeben wird, also wie satt der Strich bei gleicher Federbreite ausf\u00e4llt; wie der F\u00fcller mit Tinten unterschiedlicher Pigmentdichte reagiert; wie ansatzlos der F\u00fcller nach l\u00e4ngeren Pausen schreibt; wie er auf Tintenwechsel reagiert; ob er leckt oder schnell verstopft.<br \/>\nDa im Gesch\u00e4ft die Feder verst\u00e4ndlicherweise nur in ein Tintenf\u00e4\u00dfchen getaucht werden darf, sind gerade die wichtigsten Kriterien ein Gl\u00fccksspiel. Jeder Kauf ist also ein ambivalentes Unterfangen \u2013 wie bei besagten Schuhen auch stellt sich erst heraus, dass man sich falsch entschieden hat, wenn es zu sp\u00e4t ist.<\/p>\n<p>Wie ein F\u00fcller idealerweise getestet werden sollte, wird Gegenstand der n\u00e4chsten Artikelreihe sein.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Teil III: Der Kauf im Gesch\u00e4ft \u2013 ein widerspr\u00fcchliches Unterfangen Wie bei Schuhen auch ist das An- bzw. 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