{"id":238,"date":"2009-12-06T15:29:30","date_gmt":"2009-12-06T14:29:30","guid":{"rendered":"http:\/\/www.textloft.de\/auf-papier\/?p=238"},"modified":"2017-02-06T22:28:02","modified_gmt":"2017-02-06T21:28:02","slug":"aus-dem-fernseher-auf-den-tisch","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.textloft.de\/auf-papier\/aus-dem-fernseher-auf-den-tisch\/","title":{"rendered":"Aus dem Fernseher auf den Tisch"},"content":{"rendered":"<p>Jeder, der schon einmal etwa eine amerikanische Krimiserie im Fernsehen gesehen hat, kennt sie. Sie sind gro\u00df, sie sind gelb, und die Schauspieler halten sie so ostentativ auf Knien auf einer Parkbank, hoch in der Luft winkend in Fluren und G\u00e4ngen, brav geordnet auf ihrem Schreibtisch, dass es unm\u00f6glich ist, sie nicht zu bemerken: die Legal Pads. Doch mehr als ein geschickt in Szene gesetztes filmisches Ausstattungsmerkmal sind sie in erster Linie ein St\u00fcck amerikanischer Alltag, und die Faszination, die sie auf europ\u00e4ische Anwender aus\u00fcben, ist zun\u00e4chst gerade darin begr\u00fcndet.<\/p>\n<p>Ihre Geschichte geht auf Thomas Holley zur\u00fcck, der in den 80er Jahren des 19. Jahrhunderts in Zusammenarbeit mit der American Pad and Paper Company nach einer M\u00f6glichkeit suchte, Randst\u00fccke, wie sie nach dem Zuschnitt von festen Formaten entstehen, sinnvoll zu verwerten.<br \/>\nAus den kleinen Notizbl\u00f6cken, die dabei entstanden, entwickelten sich nach und nach gr\u00f6\u00dfere Schreibbl\u00f6cke, deren Hauptmerkmal darin bestand, dass sie liniert waren und einen 1,26 Zoll breiten Rand aufwiesen. Insbesondere Juristen fanden in diesen Pads, die zudem aufgrund ihrer Gr\u00f6\u00dfe und Farbe selbst in umfangreichen Mandantenakten optisch besonders schnell wieder zu finden waren, die Antwort auf ihren aufgrund ihrer Arbeitsstrukturen erh\u00f6hten Papierbedarf und fungierten sp\u00e4ter als Namensgeber f\u00fcr die auch in anderen Berufsgruppen und in der breiten Bev\u00f6lkerung immer beliebteren Notizbl\u00f6cke.<\/p>\n<p>Mit der Zeit kamen \u2013 nicht zuletzt in Folge der internationalen Normierung von Papiergr\u00f6\u00dfen \u2013 immer mehr Formate und Farben hinzu, wenn auch der Begriff weiterhin mit der Farbe gelb assoziiert wird. So gelten Bl\u00f6cke in rosa, hellblau und wei\u00df, die ebenso zu beziehen sind, heute noch als nicht ganz stilecht. Zudem sind Juristen l\u00e4ngst nicht mehr die einzige Klientel.<\/p>\n<p>\u00dcber den tats\u00e4chlichen Ursprung der traditionellen Farbe gelb streiten wiederum die Experten. Die American Pad and Paper Company weist darauf hin, dass die Farbe wahrscheinlich so gew\u00e4hlt wurde, weil gelb eine anregende Wirkung auf das kreative Denken haben soll. Andere Ans\u00e4tze, wie die Vorteile des Kontrastes zur schwarzen Schrift insbesondere des Bleistifts, die vermutete augenschonende Wirkung, technische Erkl\u00e4rungen, nach denen die Farbe gelb am besten zu verdecken vermochte, dass es sich bei dem Produkt um Recyclingmaterial gehandelt hatte, oder auch das pragmatische Bestreben, ein Papier zu schaffen, das auch bei langem Verbleib in Akten und Archiven nicht vergilbt und unansehnlich wird, finden sich zuhauf in der Literatur.<br \/>\nW\u00e4hrend gerade dieses Gelb in Europa zum Mythos &#8222;Legal Pad&#8220; geh\u00f6rt, verabschieden sich amerikanische Anwaltskanzleien immer mehr von dem herk\u00f6mmlichen Farbton und bestellen nunmehr wei\u00dfe Pads, da gelbes Papier von den Recyclingunternehmen immer h\u00e4ufiger als nichtwiederverwertbar nicht angenommen wird. So setzen die Hersteller als Absatzmarkt f\u00fcr die gelben Pads immer st\u00e4rker auf den europ\u00e4ischen Markt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Jeder, der schon einmal etwa eine amerikanische Krimiserie im Fernsehen gesehen hat, kennt sie. Sie sind gro\u00df, sie sind gelb, und die Schauspieler halten sie so ostentativ auf Knien auf einer Parkbank, hoch in der Luft winkend in Fluren und G\u00e4ngen, brav geordnet auf ihrem Schreibtisch, dass es unm\u00f6glich ist, sie nicht zu bemerken: die [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[72,7],"tags":[21,52,76],"class_list":["post-238","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-notizbuecher","category-papier","tag-legal-pads","tag-notizbucher-hefte","tag-papier"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.textloft.de\/auf-papier\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/238","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.textloft.de\/auf-papier\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.textloft.de\/auf-papier\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.textloft.de\/auf-papier\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.textloft.de\/auf-papier\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=238"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.textloft.de\/auf-papier\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/238\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":413,"href":"https:\/\/www.textloft.de\/auf-papier\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/238\/revisions\/413"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.textloft.de\/auf-papier\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=238"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.textloft.de\/auf-papier\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=238"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.textloft.de\/auf-papier\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=238"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}