{"id":201,"date":"2009-07-12T16:33:48","date_gmt":"2009-07-12T15:33:48","guid":{"rendered":"http:\/\/www.textloft.de\/auf-papier\/?p=201"},"modified":"2017-02-06T22:28:36","modified_gmt":"2017-02-06T21:28:36","slug":"die-eigene-handschrift-fordern-teil-i","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.textloft.de\/auf-papier\/die-eigene-handschrift-fordern-teil-i\/","title":{"rendered":"Warum die Handschrift trainiert werden muss"},"content":{"rendered":"<p><strong>Die eigene Handschrift f\u00f6rdern &#8211; Teil I<br \/>\n<\/strong><\/p>\n<p>Im Laufe unseres Lebens ver\u00e4ndert sich unsere Handschrift immer wieder und spiegelt auf diese Weise Erfahrungen, Erlebnisse, Gem\u00fctszust\u00e4nde, den k\u00f6rperlichen Alterungsprozess und \u2013 glaubt man zumindest der Graphologie \u2013 m\u00f6glicherweise auch Charaktereigenschaften wider. Sie wird zwischen den ersten Schreib\u00fcbungen in der Grundschule und den Zeilen, die wir im hohen Alter schreiben, erosionsartig geformt und gefestigt. Wird sie nicht benutzt \u2013 etwa wenn das Interesse f\u00fcr das Handschriftliche verloren geht oder, wie es in unserer Zeit naturgem\u00e4\u00df immer h\u00e4ufiger der Fall ist, wenn immer mehr auch f\u00fcr private Notizen auf Tastaturen und Touchscreens zur\u00fcckgegriffen wird \u2013, verk\u00fcmmert sie. Sie wird hastig und linkisch, schlie\u00dflich wird sie als g\u00e4nzlich fremd empfunden. Nicht selten klagen \u00e4ltere Menschen dar\u00fcber, dass ihnen die eigene Handschrift nicht mehr gef\u00e4llt, oder dass sie den Eindruck haben, sie h\u00e4tten das Schreiben regelrecht verlernt.<!--more--><\/p>\n<p>In der Tat besteht die Handschrift bekanntlich aus einer Reihe sehr pr\u00e4ziser feinmotorischer Faktoren und Abl\u00e4ufe. Werden diese nicht mehr ausreichend ge\u00fcbt, &#8222;vergisst&#8220; das Gehirn die entsprechenden Prozesse \u2013 \u00e4hnlich wie Muskeln bei mangelndem Training an Leistungsf\u00e4higkeit einb\u00fc\u00dfen.<br \/>\nSoll die Handschrift also sauber und nat\u00fcrlich wirken, darf sie nicht in allzu gro\u00dfem Ma\u00dfe vernachl\u00e4ssigt werden. Kriterien und Ratschl\u00e4ge, die sich auf k\u00f6rperliche Fitness und Sport anwenden lassen, haben auch hier durchaus G\u00fcltigkeit: Regelm\u00e4\u00dfigkeit, progressive Steigerung, Ausdauer und Abwechslung sind hier wie dort die Schl\u00fcssel zum Erfolg.<\/p>\n<p>Damit die Handschrift sicher und selbstverst\u00e4ndlich bleibt, sollte man sie h\u00e4ufig trainieren, vorzugsweise jeden Tag. Dabei ist es wichtig, sich nicht auf den sprichw\u00f6rtlichen Einkaufszettel zu beschr\u00e4nken. Einige vollst\u00e4ndige Zeilen und S\u00e4tze sind schon n\u00f6tig, um einen normalen Schreibfluss entstehen zu lassen.<\/p>\n<p>Wenn einem zum Trainieren kein eigener Text einf\u00e4llt, weder Tagebucheintr\u00e4ge noch Briefe regelm\u00e4\u00dfig auf dem Programm stehen, ist das Abschreiben ein hilfreicher Weg. Geeignet sind alle Texte mit Zeilen normaler L\u00e4nge. Von Gedichten, die als Gegenstand kalligraphischer Werke durchaus gern verwendet werden, ist hier in der ersten Phase daher abzuraten. Begonnen werden kann mit einem einzelnen Abschnitt aus einem Roman, einem kurzen Zeitungsartikel oder \u00e4hnlich \u00fcberschaubaren Texten. Mit mehr \u00dcbung k\u00f6nnen dann schrittweise ganze Seiten oder sogar mehrere Seiten am St\u00fcck in Angriff genommen werden.<br \/>\nDabei ist es wichtig, sich ausreichend Zeit zu nehmen und auf eine angemessene Schreibposition zu achten, die ein entspanntes, ja genussvolles Arbeiten erm\u00f6glicht.<\/p>\n<p>Um wieder ein Gef\u00fchl f\u00fcr die eigene Handschrift zu bekommen, ist es zudem \u00fcberaus hilfreich, ab und zu das Schreibger\u00e4t zu wechseln und einige Seiten mit einem Bleistift, einem F\u00fcller oder einem Kugelschreiber zu beschreiben. Das Alternieren zwischen Utensilien unterschiedlicher Gr\u00f6\u00dfe, Dicke und unterschiedlichen Gewichts ist nicht nur subjektiv angenehmer, es verhilft auch zu neuen Erkenntnissen \u00fcber die Merkmale der eigenen Handschrift, die nat\u00fcrliche Schreibgeschwindigkeit und die Vorlieben, die sp\u00e4ter gepflegt werden k\u00f6nnen. Auch das Aussuchen besonderer Papiere oder Tinten kann eine zus\u00e4tzliche Motivation bieten.<br \/>\nLiebe zum Detail sollte dabei nicht untersch\u00e4tzt werden. Wer sich bewusst mit der Formgebung der einzelnen Buchstaben, aber auch mit der gesamten optischen Gestaltung des Abschnitts oder der Seite auseinandersetzt, kann das Handschreiben konkreter und sinnlicher erleben. Wie beim Ballett-Training auch m\u00fcssen beim Schreiben die Bewegung und ihr Ergebnis im Einzelnen ersp\u00fcrt werden.<\/p>\n<p>Ganz gleich, ob die Schreib\u00fcbungen auf losen Bl\u00e4ttern oder in Heften und Notizb\u00fcchern stattfinden, ist es auf jeden Fall sinnvoll, die einzelnen Versuche auf der R\u00fcckseite zu datieren und einige Zeit aufzubewahren. Dies dient nicht nur der Selbstkontrolle, sondern l\u00e4dt auch zur reflektierten Wahrnehmung des Schreibvergn\u00fcgens ein.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die eigene Handschrift f\u00f6rdern &#8211; Teil I Im Laufe unseres Lebens ver\u00e4ndert sich unsere Handschrift immer wieder und spiegelt auf diese Weise Erfahrungen, Erlebnisse, Gem\u00fctszust\u00e4nde, den k\u00f6rperlichen Alterungsprozess und \u2013 glaubt man zumindest der Graphologie \u2013 m\u00f6glicherweise auch Charaktereigenschaften wider. 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