{"id":149,"date":"2009-06-15T20:37:05","date_gmt":"2009-06-15T19:37:05","guid":{"rendered":"http:\/\/www.textloft.de\/auf-papier\/?p=149"},"modified":"2024-09-04T12:30:45","modified_gmt":"2024-09-04T11:30:45","slug":"axel-malik-die-skripturale-methode","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.textloft.de\/auf-papier\/axel-malik-die-skripturale-methode\/","title":{"rendered":"Axel Malik &#8211; Die skripturale Methode"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/www.textloft.de\/auf-papier\/wp-content\/uploads\/2010\/03\/kornhaus2_0111.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-294\" title=\"kornhaus2_011\" src=\"https:\/\/www.textloft.de\/auf-papier\/wp-content\/uploads\/2010\/03\/kornhaus2_0111.jpg\" alt=\"kornhaus2_011\" width=\"493\" height=\"370\" srcset=\"https:\/\/www.textloft.de\/auf-papier\/wp-content\/uploads\/2010\/03\/kornhaus2_0111.jpg 493w, https:\/\/www.textloft.de\/auf-papier\/wp-content\/uploads\/2010\/03\/kornhaus2_0111-300x225.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 493px) 100vw, 493px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Seit 1989 schreibt er. T\u00e4glich. Auf Papier, auf Bl\u00e4tter, die er zu Tageb\u00fcchern bindet, auf lange Nesselbahnen \u2026 Mit Tinte, mit Acryl \u2026 Er schreibt unaufh\u00f6rlich. Neuerdings nicht mehr nur schwarz auf wei\u00df, sondern auch wei\u00df auf wei\u00df und schwarz auf schwarz.<\/p>\n<p>Wenn Axel Malik von seinem Kunstprojekt &#8222;Die skripturale Methode&#8220; erz\u00e4hlt, redet er von Zeichen und von Bewegung. Aber es geht hier weder in der Entstehung noch in der Rezeption um den sinnlichen Ansatz der modern-kalligrafischen Individualisierung, noch um den introspektiven, ja psychoanalytischen Selbstversuch eines Andr\u00e9 Breton.<br \/>\nEs geht um Dynamik, um die Reflexion \u00fcber die eigenen Schreibbewegungen, um die im Augenblick des Schreibens aufkommende, ersp\u00fcrbare Spannung. W\u00e4hrend die geschriebenen Linien in ihrer Regelm\u00e4\u00dfigkeit ruhige und \u00e4sthetische Harmonie vort\u00e4uschen, ist der Strich nerv\u00f6s fokussiert, doch nicht zerst\u00f6rerisch hastig &#8211; eher zwanghaft fragend, rastlos und aufmerksam suchend.<\/p>\n<p>Axel Malik schreibt nicht, um &#8222;etwas&#8220; zu schreiben. Er schreibt, um der Schrift Raum zu geben, um sie jenseits der Zw\u00e4nge von Graphemen, Stimmungen und Absichten freizusetzen und frei zu setzen, um ihr ihre ganze Urspr\u00fcnglichkeit zur\u00fcckzuschenken, um auf sie zu horchen und sie in ihrer eigentlichen Sprache zu Wort kommen zu lassen, um sie zu erleben.<br \/>\nHier werden keine Glyphen oder sonstigen bekannten Zeichen verfremdet oder k\u00fcnstlerisch distanziert auf eine andere Ebene transponiert. Axel Malik erfindet keine neue Schrift im Sinne eines Codes, keine Logogramme, kein System. Im Gegenteil.<br \/>\nEr lebt die Freilegung und Verwirklichung der Reinen Schrift.<\/p>\n<p>Frei, nackt, blo\u00df \u2013 bar von Inhalten und zielgerichteten Aufgaben wird die Schrift sowohl als \u00c4sthetikum in seiner reinsten Form greifar, wenn man die Werke von weitem betrachtet, als auch aus der N\u00e4he angaffbar und sezierbar, und gewinnt auf diese Weise ihre Unschuld zur\u00fcck.<br \/>\nDie Einhaltung von geraden Linien ist kein Tribut an die Tradition, kein Kompromiss, keine Konvention. Sie ist Respekt, Demut und Halt. Es ist die Selbstdisziplinierung des K\u00fcnstlers, der sich vollst\u00e4ndig zur\u00fccknimmt, die der Schrift zu einer losgel\u00f6sten, in dieser Hinsicht profund authentischen Identit\u00e4t jenseits aller Sprachen verhilft und als Mittler einer wahren Schrift fungiert.<\/p>\n<p>Die Analysierbarkeit liegt nicht in Textualit\u00e4ten, sondern in der Erfahrbarkeit des Schriftstrichs. Lesbarkeit bedeutet hier Erf\u00fchlbarkeit von Geschwindigkeit, Abschreitbarkeit von Prozessen &#8211; f\u00fcr den K\u00fcnstler wie f\u00fcr den Betrachter.<br \/>\nNicht nur visuell. Auch akustisch.<br \/>\nDer Klang beruht allerdings nicht auf dem Wandel von Graphemen zu Phonemen. Dieser ist nicht m\u00f6glich. Aber die Ger\u00e4usche, die bei den Setzungen entstehen und in den Installationen mitunter als H\u00f6rmaterial zur Verf\u00fcgung stehen, machen den Prozess auf jeder Ebene der Sinne erlebbar und verdichten sogar das Zeitkonzept des Schreibens. Der Schrift zuh\u00f6ren sollen Besucher genau so, wie Axel Malik es selbst beim Schreiben tut.<\/p>\n<p>Man ist leicht versucht, seine Werke als Bilder zu bezeichnen, denn das Ergebnis dieser Suche nach der absoluten Erfahrbarkeit eines jeder Intendierung beraubten Schreibprozesses ist auch ohne den Hintergrund der k\u00fcnstlerischen Absicht durchaus ein hoch \u00e4sthethischer Genuss. In der Tat bilden die Setzungen optische Einheiten aus Seiten, Bahnen, Friesen, Blow Ups, die Zeichen erscheinen in Familien gruppiert.<br \/>\nUnd doch entzieht sich seine Kunst auch hier der Begrifflichkeit \u2013 nicht zuletzt, weil die Skripturen sowohl einzeln als in ihrer zeitlichen Reihenfolge und auch im Vergleich zueinander gesehen werden k\u00f6nnen und sollten: &#8222;Die skripturale Methode&#8220; ist ein nie abgeschlossenes Projekt und sollte als solches begriffen werden.<\/p>\n<p>F\u00fcr weitere Informationen:<br \/>\n<a class=\"speziell\" href=\"https:\/\/www.die-skripturale-methode.de\"><strong>www.die-skripturale-methode.de<\/strong><\/a><br \/>\n<a class=\"speziell\" href=\"https:\/\/www.galerielindehollinger.de\"><strong>www.galerielindehollinger.de<\/strong><\/a><\/p>\n<blockquote>\n<p class=\"important\">Papier \u2013 Tinte \u2013 Schrift dankt ausdr\u00fccklich und sehr herzlich Herrn Malik f\u00fcr seine au\u00dfergew\u00f6hnliche Freundlichkeit und Gespr\u00e4chsbereitschaft und f\u00fcr seine Unterst\u00fctzung im Rahmen der Redaktion dieses Artikels durch die Bereitstellung von Katalogen und Abbildung.<br \/>\nDer Dank geht ebenfalls an die Galerie Linde Hollingen, die den K\u00fcnstler vertritt und den Kontakt zu Herrn Malik auf ausgesprochen unb\u00fcrokratische Weise erm\u00f6glicht hat.<\/p>\n<\/blockquote>\n<p><em>Urheberrechte f\u00fcr die Abbildung liegen bei Axel Malik.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Seit 1989 schreibt er. 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